Hut ging mir ja bei der Werbung die Hutschnur hoch.
Ich bin am Handy und bekomme plötzlich Werbung von einer Apotheke eingeblendet. Das allein ist schon nervig, aber muss ich wohl hinnehmen.
Es wird eine Frau eingeblendet mit dem Text "Frauen haben eh an so viel zu denken" und auf der nächsten Seite kommt dann "Die XXX Apotheke hilft ihr dabei". Tja und diese Hilfe sieht einfach nur vor, dass Rezepte online eingelöst werden können.
Man könnte auch "nen Schwamm drüberlegen", aber genau an der Stelle werde ich absolut getriggert.
Wieso muss das so sein? Warum sollen immer Frauen den kompletten Mental Load tragen? An alles denken? Alles organisieren?
Hier wird Mental-Load-Washing betrieben. Der Kern des Problems wird verdreht. Es gibt keine Entlastung, lediglich eine weitere Möglichkeit zur Organisation. Hier wird das Rollenklischee einfach verstärkt, anstatt dass das Grundproblem angegangen wird. Das ist weiterhin Sexismus in der Werbung.
Erst wird angedeutet, dass man das Problem erkannt und vielleicht sogar anerkannt hat, aber anstatt die Belastungen des Mental Load aufzubrechen und gerecht zu verteilen wird "ein Pflaster" drauf geklebt. Frei nach dem Motto: Du musst das alles alleine schaffen, aber mit unserer App glänzt du dabei.
Mental Load bedeutet schließlich nicht einfach, dass eine Frau eine lange To-do-Liste hat. Es bedeutet auch, dass sie überhaupt diejenige ist, die im Kopf behalten muss, dass etwas getan werden muss.
Wer braucht wann ein Rezept? Welches Medikament ist leer? Wann muss es bestellt werden? Für wen? Wann muss es abgeholt werden?
Und genau da liegt für mich der Denkfehler dieser Werbung.
Die App nimmt mir vielleicht einen Arbeitsschritt ab. Aber sie nimmt mir nicht die Verantwortung ab, daran zu denken.
Das Problem wird also nicht gelöst. Es wird optimiert.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, der mich so sauer macht: Es wird ein echtes gesellschaftliches Problem erkannt – nur um anschließend eine Lösung anzubieten, die das bestehende Rollenbild überhaupt nicht infrage stellt.
Nicht: „Warum muss eigentlich immer sie daran denken?“
Sondern: „Wie können wir ihr helfen, noch effizienter daran zu denken?“
Was für eine Hilfe! Das macht mich richtig sauer.
P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.

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