Als ich klein war, bin ich oft bei meiner Oma gewesen.
Und fast immer sind wir spazieren gegangen.
Ich weiß nicht mehr genau, wo wir unterwegs waren. Aber ich weiß noch ganz genau, wie die Gehwege aussahen.
Überall lagen kleine Würmchen.
Zumindest dachte ich das damals.
Sie lagen zu hunderten auf dem Boden. Klein, grün oder dunkel, irgendwie weich aussehend. Und ich wollte auf keinen Fall auf sie drauf treten. Also bin ich auf Zehenspitzen dazwischen hindurch gelaufen. Vorsichtig. Tippelnd. Immer auf der Suche nach einem freien Stück Asphalt.
Meine Oma erklärte mir natürlich, dass das keine Würmer seien. Dass das von den Bäumen kommt.
Welche Bäume das waren, weiß ich heute nicht mehr sicher. Vielleicht Birke. Vielleicht Walnuss.
Aber für mich sahen sie eben aus wie kleine Lebewesen.
Und deshalb mussten sie beschützt werden.
Vergessen hatte ich diese Erinnerung längst.
Bis ich letzte Woche mit dem Hund eine andere Runde gelaufen bin als sonst.
Da lagen sie plötzlich wieder.
Diese kleinen „Würmchen“.
Grünlich. Schwarzbraun. Haarig. Würmchen mit Borstenhaaren. Genau wie damals.
Und sofort war dieses alte Gefühl wieder da.
Diesmal bin ich allerdings nicht auf Zehenspitzen gelaufen. Ich habe mein Handy gezückt, ein Foto gemacht und Tante Google gefragt, was da auf dem Boden liegt.
Die Antwort hat mich kurz ziemlich triumphierend werden lassen.
Larven vom Buchsbaumzünsler.
Ich musste lachen.
Mein inneres Kind war sofort überzeugt:
„SIEHSTE. ICH HAB DOCH GESAGT, DASS DAS WÜRMCHEN SIND.“
Ganz zufrieden war ich mit der Antwort dann aber doch nicht. Also habe ich weitergeschaut. Den Baum angesehen. Nochmal gesucht.
Walnuss.
Damit war klar: Keine Raupen. Keine Würmer. Keine Zünsler.
Einfach nur die männlichen Pollenstände des Baumes.
Meine Oma hatte also recht.
Mir gefällt aber der Gedanke, dass ich als kleines Mädchen damals lieber auf Zehenspitzen in den freien Raum balanciert bin, als versehentlich auf ein vermeintliches Würmchen zu treten.











































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