Freitag, 25. September 2026

Back then #28 - vorne warm, hinten kalt

 


Als ich mit meinem ersten Freund zusammengezogen bin, hatten wir beide ein Pflegepferd im gleichen Stall.

Die Besitzerin hatte am Neujahrstag Geburtstag. Ich glaube, es war sogar ihr 30. Geburtstag. Und weil man einen Geburtstag schließlich gebührend feiern muss, wurde kurzerhand im Stall gefeiert.

Wobei „im Stall“ eigentlich etwas großzügig formuliert ist.

Es war ein Offenstall. Keine gemütliche Sattelkammer, kein Aufenthaltsraum, kein beheiztes Stübchen. In der kleinen Hütte stand eigentlich nur Putzzeug.

Aber wir hatten zwei Lagerfeuer.

Über dem einen hing ein großer Topf mit Kesselgulasch. Und ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir draußen in der Kälte saßen oder ob dieses Gulasch tatsächlich einfach göttlich war – aber noch nie habe ich so etwas Tolles gegessen.

Über dem zweiten Feuer hing ein Topf mit Glühwein.

Tetra Pak. Natürlich. Aber der wurde ordentlich aufgemotzt: Anissterne rein, Zimtstangen dazu – fertig war die Stall-Glühwein-Spezialmischung.

Und es war arschkalt.

Wie immer waren wir mit dem Fahrrad gekommen. Was sonst?

Drei Kilometer. Eben. Übers Feld. Kein Problem.

Es lag sogar Schnee.

Im Rhein-Main-Gebiet!

Heute würde man wahrscheinlich erstmal überlegen, ob man bei solchen Bedingungen überhaupt das Haus verlassen sollte. Wir sind einfach mit dem Fahrrad zum Pferdestall gefahren.

Wir haben gegessen, getrunken, gequatscht. 

Schön nah ans Feuer. Von vorne wurde man herrlich warm. Hinten wurde es dafür immer kälter.

Also noch ein Glühwein.

Insgesamt gingen sechs Tetra-Pak Glühwein drauf. Allerdings waren wir nur sechs oder sieben Leute.

Irgendwann, gegen 16 oder 17 Uhr, kam dann der Moment, an dem wir beschlossen: Wir fahren nach Hause.

Mit dem Fahrrad.

Übers Feld.

Durch den Schnee.

Und natürlich gab es keine plattgetretene Spur. Keine Fahrradspur. Nichts.

Ich weiß noch genau, wie ich mich abgemüht habe.

Mein Freund war kalt, ich war zu langsam, und er hat mich irgendwann komplett abgehängt.

Ich dagegen kämpfte.

Ich fluchte.

Ich verfluchte den Schnee.

Ich fror.

Ich schwitzte.

Ich strampelte.

Wie ich überhaupt zu Hause angekommen bin, weiß ich nicht mehr.

Dass ich das Fahrrad noch in den Keller gestellt habe, halte ich für möglich. Beweise gibt es dafür allerdings keine.

Was ich sicher weiß: Ich bin direkt ins Bett.

Eingemummelt bis über beide Ohren.

Und am nächsten Morgen ging es wieder in den Stall.

Kein krank.

Kein Kater.

Nichts.

Offenbar war man Anfang 20 noch aus anderem Material gebaut.

Oder sechs Tetra Pak Glühwein waren damals einfach das beste Frostschutzmittel überhaupt.

 

P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.  

Donnerstag, 24. September 2026

Metamorphose: Der Erdkröte

Die Prinzessin muss ein Schulplakat zum Thema Erdkröte entwerfen. Sie bat mich, ihr zwei Bilder auszudrucken. Und dann hat sie aber auch noch die Metamorphose gezeichnet.

Metamorphose einer Erdkröte


Spontan ist mir eingefallen, dass ich zur Kröte "unlängst" ein Video erstellt habe. (Ich verrate hier natürlich nicht, dass das Video aus Mai 2025 ist)


Montag, 21. September 2026

Ausflug Wiesbaden: Museum für Moderne Kunst (Teil 2)

 

Nach dem leckeren Essen und den beiden Besichtungen war ich satt - der Bauch war voll, der Kopf ebenfalls. Aber ein weiterer Programmpunkt stand für unseren Personalausflug noch an. Der umstrittene Programmpunkt. Es geht um die Besichtung des Museums für Moderne Kunst.

Buch: Tempel der Abstrakten

Das Museum Reinhard Ernst wurde erst vor 2 Jahren eröffnet und widmet sich vollständig der abstrakten Kunst. Das Gebäude selbst ist Teil davon und wird von den Wiesbadenern liebevoll Zuckerwürfel genannt.

Nützliche Kunst - so lässt Händewaschen das Herz höher schlagen

Auch hier haben wir eine Führung gebucht. Das war eine exzellente Entscheidung. Denn mit den abstrakten Bildern kann "man" ohne Vorwissen nichts anfangen. OK, ich kann damit nichts anfangen. Es sind bunte Farbkleckse, mal auf bunten Hintergrund mal auf weißer Leinwand. Mit Führung wurde aber schnell klar, wie die Künstler gearbeitet haben und was sie sich dabei gedacht haben. Für mich tatsächlich der spannendere Teil als das Bild selbst.

Die Frau, die uns durch das Museum geführt hat, hat es fantastisch gemacht. Mich mit vollem Bauch und leeren Kopf noch einmal so zu begeistern ist ein Kunststück.

Wobei: Das Gebäude selbst hat mich direkt beim Betreten der Toiletten begeistert. Diese Räumlichkeiten führen hier kein Schattendasein, sie sind selbst Teil der Ausstellung. 

Käfer im Laub

Jedes Kunstwerk ist riesig. Teilweise musste das Gebäude auf das Kunstwerk angepasst werden. Wie beispielsweise bei diesen goldenen Säulen. Die sind wirklich schwer, da musste die Statik stimmen. Aufgrund der Größe konnten sie auch lediglich im Rohbau einziehen, der Boden wurde dann erst im Nachgang um die Kunst herum gesetzt.

Wenn man sich das gigantische rosa Bild einmal genauer anschaut entdeckt man unfassbar viele unscheinbare Details. Ja, auch die Details sind abstrakt. Dennoch kann es passieren, dass das Bild auf einen wirkt - aber es braucht Zeit. 

Blume, Frau mit Hut, japanisches Schriftzeichen, Schmetterling? Was seht ihr hier?

 

Tatsächlich sind am Ende noch ein paar Kollegen auf den Weinmarkt gegangen, einige sind nach Hause gefahren. Ein paar Kolleginnen sind dann noch ein Kuchen essen gegangen. Ich muss nicht sagen, in welcher Gruppe ich war.

Und danach ging es dann wieder mit dem Rad nach Hause. Fast 34 km, knapp 18.000 Schritte und 42 Etagen in den Beinen, fand ich die Couch an dem Abend fantastisch. Selbstverständlich konnte ich die Bitte von Buffy nicht abschlagen, die Abendrunde gemeinsam zu drehen *g*.

Sonntag, 20. September 2026

Ausflug Wiesbaden: Marktkirche (Teil 1)

Der letzte Personalausflug führte mich nach Wiesbaden. Obwohl das ja nur einmal übern Rhein liegt, bin ich dort sehr selten - ich kenn dort noch recht wenig. 

 

Treffpunkt war die Marktkirche am Dernschen Gelände. Die Kirche ist etwas besonderes. Sie ist das höchste Gebäude in Wiesbaden und war damals, als sie gebaut wurde (1851-1862), das höchste Backsteingebäude. Die neugotische Kirche musste gebaut werden, da die alte Kirche abgebrannt war. Nach einem Streit, ob die Kirche von weitem sichtbar auf einem Berg oder beengt aber dafür nah an den Menschen auf dem Marktplatz stehen soll, hatte sich der Marktplatz durchgesetzt. Die Kirche hat ganze 5 Turmspitzen.

Durch die Kirche und durch die Geschichte hat uns Margot Klee geführt. Sie brennt für die Marktkirche und hat es verstanden, mich mitzureißen. Erst jetzt habe ich herausbekommen, dass es über sie einen Wikipediaeintrag gibt.

Das Kircheninnere erinnert stark an einen Nachthimmel und lässt einen ehrfürchtig in den Himmel schauen. Der Boden ist das Original.  

Die Orgel ist die größte der evangelischen Kirchen im Bezirk Hessen und Nassau.

Die Kanzel sollte zur Einweihung der Kirche im Jahr 1862 eigentlich aus edlem Marmor gefertigt werden. Da das Herzogtum Nassau zu dieser Zeit jedoch unter erheblichem Geldmangel litt, entschied man sich aus Kostengründen für ein Provisorium: einen bronzierten Eisenguss, der optisch Holz imitiert. Dieses „Provisorium“ wurde seither nie mehr verändert.

Ebenfalls eine Besonderheit die Marmorfiguren im Chorraum. Jesus Christus mit den vier Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Die Hoffnungsglocke passte nach 150 Jahren nicht mehr zum Klangbild. Anstatt sie einzuschmelzen hat man sich entschieden, sie als Taufbecken umzufunktionieren und so in der Kirche zu belassen. Dass die Hoffnungsglocke nun für das Fundament der Taufe steht, ist mehr als Zufall.

Bis hierhin kann sich die Kirche jeder ansehen, aber wir durften viel mehr sehen. Es ging hoch hinauf. Dort gibt es eine Wohnung, die bis in die 1980er hinein genutzt wurde. Dann haben sich die Brandschutzbestimmungen geändert und nun steht sie leer. Genutzt wurde sie vom Tumwächter, um hoch über der Stadt nach Bränden Ausschau zu halten und im Notfall die Glocken zu läuten. Die Wohnung ist schmal und langgezogen, dennoch verfügt sie über vier Zimmer, Küche und Bad mit Dusche. Eine der Küsterfamilien soll sich das Leben erleichtert haben, indem an einem Seilzug ein Korb auf den Marktplatz herab gelassen wurde. Darin lag ein Einkaufszettel und Geld. Die Marktbeschicker haben dann den Korb gefüllt und die Frau konnte den Korb dann wieder nach oben ziehen.

Blick aus der Wohnung auf das Alte Rathaus

 

Blick in die leere Wohnung

Weiter geht es bis zum Aussichtsplateau. Insgesamt sind bis hierher rund 290 Stufen zu überwinden. Die Wendeltreppe ist anfangs noch recht bequem, aber schnell wird sie immer enger und steiler. Kaum kann man um die Ecke schauen und auch der Schall der Gespräche wird unfassbar schnell einfach verschlucken. 




Die Aussicht von diesem Plataue ist beeindruckend. 




Danach wurden die Kollegen in ihrer neuen Dienststelle besucht, bevor es endlich zum Essen ins Café del Sol ging.

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, den Kollegen am Kochbrunnen die Geschichte von dem Riesen Ekko zu erzählen. Hier habe ich euch bereits davon geschrieben. 

Samstag, 19. September 2026

Besuch von zwei Waschbären

Meine Mama bekommt regelmäßig Besuch von einem Waschbären. Sie hatte es länger schon vermutet, dass es nicht nur ein Tier ist. Nun konnte sie die beiden ungebetenen Besuch einmal beobachten.


Der kleine Waschbär ist auf der Terrasse und er ruft nach seiner Mama.


Diese sitzt auf der Garage und beobachtet erst einmal aufmerksam die Situation. Sie hat längst mitbekommen, dass meine Mama hinter der Terassentür steht. Sie weiß nur noch nicht, ob Gefahr droht.

 

 

Dann kommt sie runter und spaziert mit ihrem Kind in den Wald.

 

 

(Das war schon Anfang August - ich hoffe, der kleine Kerl ist fleißig gewachsen.) 

Freitag, 18. September 2026

Back then #27 - One-Way-Pferde

 


Urlaub in Dänemark. Zusammen mit meiner Mama, meiner Freundin, meinem Bruder und seinem Kumpel hatten wir ein Ferienhaus mit Pool, Sauna und Solarium.

Einen Tag wollten meine Freundin und ich einen Ausritt machen. Also gingen wir zu einem Reitstall, mieteten uns Pferde und schlossen uns einer kleinen Gruppe an.

Es war ein richtig schöner Ausflug. Irgendwann kamen wir an eine tolle Galoppstrecke.

Da in der Gruppe auch Anfänger dabei waren, blieb der Guide natürlich bei ihnen. Meine Freundin und ich durften schon mal bis zur nächsten Ecke vorgaloppieren und dort auf die Gruppe warten.

Und genau da kam uns die Idee:

Warum nicht einfach die Strecke wieder zurückgaloppieren?

Gesagt, getan – zumindest wollten wir das.

Denn unsere Pferde hatten offenbar eine ganz andere Vorstellung davon, wie diese Strecke funktioniert.

Wir wollten umdrehen.

Die Pferde wollten nicht.

Wir versuchten es nochmal.

Keine Chance.

Die Strecke war für sie eindeutig eine Einbahnstraße.

Vorwärts? Jederzeit.

Rückwärts auf derselben Strecke? Auf gar keinen Fall.

Wir konnten die Pferde beim besten Willen nicht dazu bewegen, die Strecke zurückzulaufen.

Also standen wir da und mussten warten, bis die Gruppe wieder bei uns war.

Seitdem weiß ich:

Es gibt Pferde, die können galoppieren.

Es gibt Pferde, die können wenden.

Und dann gibt es offenbar One-Way-Pferde. 

 

P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt. 

 

Donnerstag, 17. September 2026

Ausflug Wildgehege Gonsenheim und Abenteuerspielplatz

Das Schuljahr ist ganz smooth mit einer Einführungswoche gestartet, aber schon die Woche drauf ging es richtig los. Hier eine HÜ (Hausaufgabenüberprüfung), dort Vorbereitungen für die erste Klassenarbeit. Bei der Prinzessin ist die Orientierungsstufe zu ende, die Kinder werden nach G- und E-Kursen (Grund- und Erweiterungskursen) aufgeteilt. Für die, die eher ein Handwerk erlernen möchten oder Spätstarter sind und für die, die einen Realschulabschluss oder sogar Abitur anstreben. Bei meinem Prinz könnte es für einige Klassenkameraden das letzte Schuljahr sein, mit den nächsten Noten müssen sich einige bereits auf einen Ausbildungsplatz bewerben. Zusätzlich wird der E-Kurs noch in E1 und E2 weiter unterteilt. 

Mein Kletteraffe

Uns hatte jedenfalls sehr schnell der Schulalltag mit seinen Problemen eingeholt und uns vollkommen eingenommen. Zeit für eine Notbremse und einen Ausflug - unter der Woche. Erholung wird nämlich auch und gerade während der Arbeits- bzw. Schulwoche gebraucht. Lust hatte keiner - außer Buffy, aber am Ende hatten alle Spaß.

Quatsch an der Rutsche

Es ging zuerst auf den Abenteuerspielplatz. Klettern und rutschen. Da es später Abend war, kurz vor 20 Uhr, konnte Buffy mit auf den Spielplatz. Kein Kind, dass sie dort erschrecken konnte. Kein Pipi und erst Recht kein Häufchen.

 

Aufmerksam, aber ruhig

Anschließend haben wir noch eine Runde um das Wildgehege Gonsenheim gedreht. Die Ziegen waren in der Dämmerung sehr neugierig und kamen direkt an. Die Gänse hatten sich bereits schlafen gelegt. Auch die Hühner haben sich schon auf ihren Schlafplätzen gemütlich gemacht und sahen so richtig flauschig aus. Dafür waren die Frettchen schwer aktiv und sind in ihrem Käfig umhergelaufen und geklettert. Auch die Muflons am Ende kamen noch einmal zum Zaun, um zu sehen, wer sich so spät noch zu ihnen verirrt hat.

Der Prinz hatte sein D&D Buch dabei

Beide Kinder begeistert. Buffy auch - und sie hatte sich trotz Aufregung gut unter Kontrolle, nur zweimal hat sie die Bewohner angebellt. Die scheinen das aber zu kennen, die sind einfach stehen geblieben.