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In dem Moment dachten wir, wir verlieren sie.
In Wahrheit hat sie gerade angefangen, zu uns zu gehören. |
Anruf von meiner besten Freundin - damals wie heute:
„Ihr wolltet doch schon immer einen Hund zur Pflege nehmen.“
Nein.
Wirklich nicht.
Unser Leben war voll: Schule, Arbeit, Freunde, Kino, Schwimmbad. Ein Hund? Keine Chance.
„Pass auf, die Nachbarin ist im Krankenhaus. Purzel ist läufig und kann nicht bei uns bleiben. Nur 2–3 Wochen.“
2–3 Wochen.
Das klang überschaubar. Fast wie nichts.
„Ich bringe sie dir gleich vorbei.“
Keine 30 Minuten später stand sie da.
Und ganz ehrlich?
Es war… nicht mein Traumhund.
Klein, kurze Beine, Kringelschwanz, Schlappohren – und ziemlich rund. Exakt das Gegenteil von dem, was ich mir immer vorgestellt hatte.
Aber gut. Für eine Freundin macht man das.
Und irgendwer musste ja verhindern, dass ihr Hund Papa wird.
Also Leine dran und los.
Einmal durch den Park, rüber zur großen Wiese.
„Komm, wir lassen sie hier mal frei.“
Leine ab.
Und dieser kleine, dicke Hund?
Wird plötzlich zum Pfeil.
10 Meter.
20 Meter.
50 Meter.
100 Meter.
Mein erster Gedanke:
Super. Das war’s. Die sehen wir nie wieder.
Dann bleibt sie stehen.
Dreht sich um.
Und kommt zurück.
Direkt auf uns zu.
In diesem Moment war irgendwas anders.
Eis gebrochen. Vertrauen da.
Und irgendwie auch: angekommen.
Purzel bleibt.
3 Wochen gehen vorbei.
Die Nachbarin ist noch im Krankenhaus.
8 Wochen. Reha.
12 Wochen. Betreutes Wohnen.
Und niemand fragt nach dem Hund.
Inzwischen ist Dezember.
Und wir wollten doch nie einen Hund.
Der Griechenland-Urlaub war längst gebucht.
Also melden wir Purzel bei der SOS Hundehilfe.
Kurz darauf steht ein Interessent vor der Tür.
Ein riesiger Mann. Ein Schrank.
Und dann sehe ich sie neben ihm.
Diesen kleinen Hund.
Und er sagt einen Satz:
„Wenn sie nicht allein bleiben kann und bellt, bringe ich sie zurück.“
Ich schaue meine Mama an.
Sie schaut mich an.
Die Entscheidung war längst gefallen.
Er geht.
Und meldet sich nie wieder.
Noch am selben Nachmittag bekommt Purzel einen neuen Namen.
Und wir haben einen Hund.
Für 13 Jahre.
Und der Urlaub?
Den haben wir tatsächlich gemacht.
Die Mutter einer Freundin meines Bruders hat sie genommen.
Als wir sie wieder abholen, stehe ich da und denke:
Was ist das für ein wunderschöner Hund?
Glänzendes Fell.
Leuchtende Augen.
Ihre Freude uns wiederzusehen,
ging direkt ins Herz.
Die Beine wirken plötzlich länger.
Der Bauch? Weg.
Ich war kurz überzeugt, es sei ein anderer Hund.
War es aber nicht.
Bewegung und besseres füttern haben sie vollkommen verändert.
Und vielleicht ist das das Verrückte an Zeit:
Wir wollten einem Hund für 3 Wochen eine Bleibe geben.
Geworden ist ein Seelentier.