Die erste Woche auf meinem neuen Rad ist vorbei. In dieser Zeit bin ich 107,5 km gefahren – genug, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.
Schon allein das Anschalten des eBikes ist ein Traum. Kurz den richtigen Knopf drücken und der Mini-Computer fährt hoch. Direkt ersichtlich: Ladezustand und Reichweite in den einzelnen Unterstützungsstufen. Wobei genau dieser Punkt mir noch nicht ganz klar ist – wie sich die Reichweite eigentlich berechnet.
Das Rad lässt sich wirklich gut mit einer Hand schieben, so komme ich problemlos durchs Gartentor. Meist gehe ich bis zu meinem Kreuz, um dort mein morgendliches Foto zu schießen.
Dort stelle ich das Rad kurz auf dem Seitenständer ab. Auch das fühlt sich deutlich besser an. Er klappt satt herunter und genauso wieder hoch. Kein Klappern, kein Springen und keine Schraube mehr, die sich ständig löst und einmal im Monat nachgezogen werden möchte.
Dann wird gestartet. Das Aufsteigen fühlt sich an wie bei meinem alten Rad, aber der Antritt ist noch angenehmer. Das merke ich besonders an den Ampeln.
Ich kann vier Stufen Motorkraft zuschalten: Eco, Tour+, Auto und Turbo. Auto war mir anfangs tatsächlich nicht ganz klar. Dahinter steckt aber nichts anderes als eine Art Automatikmodus. Der ist allerdings sehr sanft eingestellt. Wenn ich nur noch damit fahren würde, würden vermutlich meine Muckis verkümmern lach.
Die Bremsen fühlen sich inzwischen langsam „eingebremst“ an. Bei den ersten Abfahrten war ich noch ziemlich unsicher. Mittlerweile merke ich aber, dass die Bremsen wirklich gut sind – „richtig giftig“, wie mir der Verkäufer sagte.
Die Griffe mit den breiten Auflagen gefallen mir sogar noch besser als meine alten. Die hatte ich damals nämlich auch schon nachgerüstet. Ich könnte mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen, mit ganz normalen Griffen zu fahren. Allerdings hatte ich bei den letzten beiden Fahrten etwas mit eingeschlafenen Händen zu tun. Das kenne ich überhaupt nicht und hatte ich bei den ersten Fahrten auch nicht. Das muss ich beobachten und gegebenenfalls etwas an der Einstellung oder dem Winkel verändern.
Mein Po hat sich in den ersten 100 Kilometern langsam an den neuen Sattel gewöhnt. Er tut inzwischen nicht mehr weh. Ganz überzeugt bin ich allerdings noch nicht. Vielleicht tausche ich ihn doch noch gegen meinen alten Sattel aus. So würde ein kleines Stück meines alten Rads mit auf die Reise gehen.
Apropos altes Rad: Die Handyhalterung habe ich kurzerhand abgebaut und problemlos ans neue montiert. Es ist für mich einfach gut zu wissen, dass ich jederzeit das Navi nutzen oder mich beim Geocaching führen lassen kann.
Jetzt muss ich nur noch die Speichenreflektoren abbauen und am neuen Rad befestigen. Oder ich kaufe einfach neue – falls doch noch eines der Kinder oder mein Mann eine Zeit lang mit dem alten Rad fahren möchte.
Das Fahrerlebnis selbst ist MEGA. Beim Ausrollen höre ich eigentlich nur die Reifen auf dem Asphalt. Wenn ich trete, summt der Motor angenehm leise, sodass die Reifen weiterhin zu hören sind. Im Leerlauf schnurrt keine Kette.
Das Schalten ist für mich allerdings noch immer gewöhnungsbedürftig. Ich bleibe dabei: Für mich ist die Richtung irgendwie verkehrt herum. Höher schalten – von mir weg. Niedriger schalten – zu mir hin. So steht es auch dran. Ich weiß, daran werde ich mich gewöhnen. Im Moment muss ich mich aber noch bewusst darauf konzentrieren oder auf die Anzeige schauen. Dafür funktioniert die Schaltung jedes Mal sofort: Kurz aufhören zu treten, schalten und weiterfahren. Kein Klacken, kein Knirschen, keine Verzögerung. Schalter drehen und fertig.
Den Akku habe ich bisher noch nicht leer gefahren. Solche großen Touren schaffe ich unter der Arbeitswoche einfach nicht. Positiv finde ich aber jetzt schon, dass ich nicht täglich laden muss. Wenn geladen werden muss, braucht man allerdings etwas Zeit einzuplanen. Ein 800-Wattstunden-Akku an einem 2-Ampere-Ladegerät ist eher Team „gemütlich laden“ als „mal eben schnell“.
Die nächsten Tage werden allerdings eine echte Herausforderung – die Temperaturen meinen es gerade etwas zu gut. Aber das wird mich nicht vom Radfahren abhalten. Dann eben etwas früher los und auf möglichst schattigen Wegen unterwegs sein. Wer weiß – vielleicht führen mich gerade diese kleinen Abweichungen vom direkten Weg zu Orten, die ich sonst nie entdecken würde oder sogar einen neuen Geocache.





























