Freitag, 4. September 2026

Back then #25 - Berliner Nächte sind lang

 


Manchmal braucht das Gehirn ein paar Jahrzehnte, um einen einzigen Satz endlich richtig einzusortieren. Genau 30 Jahre, um genau zu sein.

Es muss Mitte der 90er gewesen sein. Meine Freundin stand kurz vor einem riesigen Schritt: Sie würde demnächst mit gerade einmal 17 Jahren in ihre erste eigene Wohnung ziehen. Ein riesiger Umbruch, der in der Luft lag. Aber an diesem einen Abend zählte erst einmal nur der Moment. Wir wollten ausgehen. In die Disko.

Ich war damals wahrlich keine Stammgästin im Nachtleben, und in diesem Laden – dem M21 direkt gegenüber vom Paracelsusbad an der Roedernallee – war ich gefühlt das erste und einzige Mal.

Damals war die Welt im Club noch eine völlig andere:

Die Luft war so dick vom Zigarettenrauch, dass man sie schneiden konnte.

Meine Freundin bewegte sich auf der Tanzfläche wie ein absolut unerreichbarer Star. Sie kannte Hinz und Kunz, wurde von allen gegrüßt und ich stand daneben – als das klassische „Mäuschen aus der zweiten Reihe“.

Und als Krönung verwandelte sich die Tanzfläche im Laufe des Abends plötzlich in einen Männer-Schönheitswettbewerb. Auf einmal tanzten durchgestylte Typen extrem aufreizend vor uns herum. Einer nach dem anderen präsentierte sich.

Ob ich mir das Finale noch angesehen habe? Keine Ahnung. Irgendwann rückte die magische Mitternachtsgrenze näher – Jugendschutz sei Dank – und wir traten den Heimweg an. Wir wollten bei meiner Freundin im Elternhaus übernachten.

Draußen winkten wir uns ein Berliner Taxi heran.

Wer die 90er erlebt hat, weiß: Anschnallpflicht auf der Rückbank war eine reine Empfehlung, an die sich niemand hielt. Man saß also uneingeschnallt auf den glatten Kunstledersitzen, während der Bass noch leicht in den Ohren dröhnte.

Wir sausten durch das nächtliche Berlin, als der Taxifahrer plötzlich ohne Vorwarnung das Lenkrad herumriss. Ein scharfer Haken. Wir rutschten ungebremst von links nach rechts über die Rückbank.

Der Fahrer schaute nicht einmal in den Rückspiegel, sondern meinte nur furztrocken:

„Scheiße, die Katze hab ich nicht erwischt.“

Mir fiel auf der Stelle alles aus dem Gesicht.

Ich starrte meine Freundin an, meine Freundin starrte mich an.

Völliger Schock.

Hat er das gerade wirklich gesagt?! Wollte dieser Mensch gerade eiskalt ein kleines wehrloses Tier überfahren und war jetzt enttäuscht darüber?!

Wir gaben keinen Ton mehr von uns. Die restliche Fahrt verlief in ehrfurchtsvoller, leicht verstörter Stille.

In meiner jugendlichen Naivität war ich felsenfest davon überzeugt, im Auto eines echten Schurken zu sitzen.

Heute – gute 30 Jahre später – sitze ich am Steuer meines eigenen Autos, fahre durch die Gegend und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen.

Berliner Schnauze.

Der Mann wollte die Katze natürlich nicht überfahren. Er war ihr im letzten Bruchteil einer Sekunde ausgewichen und wollte mit seinem knochentrockenen Dialekt sagen:

„Scheiße, die Katze hätte ich fast erwischt!“

Es hat mich also nur drei Jahrzehnte gekostet, diesen einen Satz richtig zu verstehen.

Aber hey: Besser spät als nie.

Und eine gute Geschichte für die Rückbank war es allemal.

 

P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.  

Donnerstag, 3. September 2026

Reise nach Berlin: Spionagemuseum

Wenn schon Museum, dann aber richtig. Und da das Deutschlandmuseum und das Spionagemuseum direkt nebeneinander liegen und es sogar Kombi-Tickets dafür gibt, haben wir uns natürlich auch das Spionagemuseum angesehen.

 

Los geht´s! Natürlich versuche ich das hier auch sehr neutral zu halten, damit möglichst viele die Möglichkeit haben, hier her zu gehen und sich zu amüsieren.

Geniale Fußmatte: Hinterlasse Sie keine Spuren - Doppeldeutig

Selbst der Spind enthält bereits Museumsinternas: "Ausspähen unter Freunden geht gar nicht. Angela Merkel"

Allein der Eingang ist bereits eine Sensation. In der Warteschlange gibt es "dezent" viele Überwachungskameras.

Leichte Phobie in der Warteschlange

 Auch der Zutritt ist mega - das lasse ich explizit offen. Staunt selbst.

 Zuerst geht es um die verschiedenen Verschlüsslungstechniken. 


Cryptex

Spiegelschrift

Skytale



Und natürlich gab es auch einiges zum selbst ausprobieren - zuviel mag ich hier einfach nicht verraten. Aber ich sage mal so: Abhören, Morsen, Wanzen - all dieser Agentenstuff. 


Zottellotte als Agentin 007

UPSI - was ist denn hier schief gelaufen?!

Liebesgrüße aus Geheimlabor in Moskau
 
Im Labor konnten Geheimschriften ausprobiert werden.

Agentin 008 bei der geheimen Geheimschrift

Zitronensaft, Gallussäure und Eisensulfat stehen für die Geheimschrift zur Verfügung


Diese Collage hat mein Mainzelmann erstellt - sie gibt Stoff zum Nachdenken:
Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun - Eric Schmidt (CEO Google, 2009) 

Mittwoch, 2. September 2026

Reise nach Berlin: Deutschlandmuseum

Ein wenig Kultur stand an. Wir sind in das Deutschlandmuseum am Potsdamer Platz gegangen: eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte. 2000 Jahre deutsche Geschichte in 90 Minuten.


Ich war unsicher, wie es den Kindern gefallen würde. Aber alle 4 Kinder (10, 12, 15, 17) waren beeindruckt. Allerdings an unterschiedlichen Stellen.

Sony Center - immer noch beeindruckend
 

Auch mich hat das Museum geflasht. Es war kein stumpfes Durchrennen, das Museum hat eingeladen die Geschichte zu entdecken, anzufassen, zu erleben.  

Berliner Mauer übersäht mit Kaugummis

Von daher werde ich nur ein klitzeklein wenig darüber schreiben, ohne zuviel zu spoilern, für alle, die auch hingehen wollen.

 

Eingang Deutschlandmuseum

 Das Museum liegt zentral am Potsdamer Platz. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, aber auch für die, die Autofahren müssen oder wollen, gibt es das Sony Center Parkhaus in der Nähe. Der Tageshöchstsatz liegt derzeit bei 10 Euro. Allein am Potsdamer Platz gibt es viel zu entdecken. Beispielsweise ein Stück Berliner Mauer. Diese ist allerdings an den Seiten komplett zugeklebt mit Kaugummis - irgendwie ja megaeklig und dennoch faszinierend.

 

Hier ein paar Eindrücke: 
bekannt - nicht nur im Museum

krass, das war mal mein Geld - jetzt sieht es nach Spielgeld aus

Fahrplan in Ost-Berlin








Dienstag, 1. September 2026

Rückblick auf den August

Kinders, das Jahr rast. Eben beenden wir bereits den August. Und ich kann sagen, der war verdammt warm - nein: heiß trifft es eher. Trocken und heiß, und dann wurde schlagartig Herbst mit Gewittern und Regen und nasskaltem Wetter.

 

Morgens war das Radeln inzwischen wieder richtig angenehm, sodass ich mehrfach nicht den direkten Weg zur Arbeit genommen habe, sondern einen kleinen Umweg gefahren bin. So habe ich in Drais, im sogenannten  Bergdorf, am höchsten Punkt ein Foto gemacht


 

Aber natürlich war auch wieder der Baum am Fußballstadion der eine oder andere STOP angesagt. Ich liebe diesen Spot, so als letzter Punkt bevor die "Zivilisation" wieder anfängt - eins mit der Natur und der Landwirtschaft, im Einklang mit dem Wetter und den Jahreszeiten.



 
Bevor ich nun endlich zu meiner Fahrradstatistik komme, möchte ich euch noch einmal teilhaben lassen an meinem morgendlichen STOP am Wegkreuz. Hier starte ich, hier halte ich kurz inne, sammel mich - und ganz ehrlich, egal ob Auto, Rad oder zu Fuß, wenn ich hier ankomme, weiß ich: Ich bin zu Hause.
 
 






















Das Getreidefeld ist abgeerntet und gepflückt. Alles bereits vorbereitet für den Herbst. Es wird auch wieder später hell und vor allen Dingen wieder früher dunkel. Endlich wieder Wolken! Endlich wieder Morgenrot! Endlich wieder Frühnebel! Ich bin glücklich.
 
Nun denn: Im August komme ich auf 321,1 km. Ich bin jetzt 643,2 km mit meinem neuen Rad on the road - lustigerweise stehen als Gesamtkilometer bereits 659 km auf meinem Tacho. 11 km muss ich abziehen, macht 648. Wo kommt die Differenz von knapp 5 km her? Insgesamt bin ich 1473 km in diesem Jahr geradelt. Aber eine Sache fällt mir noch immer schwer: Wenn ich hoch- oder runter schalten will, dann drehe ich meinen Schaltknauf immer erst einmal in die falsche Richtung. Das nervt mich und ich hoffe sehr, dass ich mich daran noch gewöhnen werde.
 
  • Januar   124 km
  • Februar 231 km 
  • März     140 km
  • April     176 km 
  • Mai       225 km 
  • Juni       251 km 
  • Juli        168 km 
  • August  321 km
  • Aufstellung über die ganzen Jahre 

    • 2018:       233 km
    • 2019:           0 km
    • 2020:    1.424 km
    • 2021:    2.064 km
    • 2022:    3.137 km
    • 2023:    2.434 km
    • 2024:    2.145 km 
    • 2025:    1.976 km 
    • 2026:       995 km  - Nach 14.408 km war auf dem alten Rad Schluss
    • 2026 :      643 km (to be continued)
    Natürlich bin ich auch im August zu Fuß gegangen. Im Urlaub, Gassi, Personalausflug, Geocaching - da komme ich auf 252.991 Schritte. Das entspricht 8.161 Schritten pro Tag. Übers Jahr komme ich bisher auf 2 Mio. 37 Tausend 71 Schritte (2.037.071), was einer traurigen Wahrheit von 8.349 Schritte am Tag entspricht.
     
  • Jan: 232.181 Schritte (7.490) 
  • Feb: 240.168 Schritte (8.577) 
  • Mrz: 278.590 Schriite (8.987)
  • Apr: 255.101 Schritte (8.503) 
  • Mai: 259.466 Schritte (8.495)
  • Juni: 240.193 Schritte (8.006)
  • Juli:  273.920 Schritte (8.771)
  • Aug: 252.991 Schritte (8.161) 
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