Freitag, 14. August 2026

Back then #22 - Die Sache mit dem Pusten

1998 hatte ich einen A Corsa. Weiß. Gekauft für 600 DM.

Und obwohl er schon damals nicht mehr ganz taufrisch war, hat er fleißig seinen Dienst getan: Jede Woche München – Berlin und wieder zurück.

Bergab und mit Heimweh schaffte er sogar 130 km/h. 😎

Allerdings forderten die vielen Kilometer ihren Tribut. Der Zylinderkopf verrußte immer mal wieder. Und wenn er zu sehr verrußt war, wollte der Motor einfach nicht mehr anspringen.

Also hieß es: aussteigen.

Zylinderkopf ausbauen, Kontakte freikratzen, alles wieder zusammenbauen – und weiterfahren.

Irgendwann wurde das allerdings so häufig, dass ich beschloss, einen neuen Zylinderkopf zu besorgen. Auf dem Schrottplatz hatte ich auch tatsächlich einen gefunden.

Als ich ihn abholen wollte, passierte natürlich genau das, was man sich in so einer Situation wünscht:

Der Motor ging mitten auf einer großen Kreuzung beim Linksabbiegen aus.

Mega peinlich.

Also aussteigen und den Corsa von der Kreuzung schieben.

Und so durfte ich gleichzeitig ein Auto schieben und versuchen, das Lenkrad in die richtige Richtung zu bekommen. Mit ausgeschaltetem Motor und ohne Servolenkung. Was ich vielleicht erwähnen sollte: Der Corsa hatte natürlich noch keine Servolenkung.

Aber der kleine Kerl wog ja nicht besonders viel, und irgendwie bekam ich ihn an den Straßenrand.

Dort baute ich wieder den Zylinderkopf aus und kratzte die Kontakte frei.

Als es nur noch um den Einbau ging, kam jemand und fragte mich, ob ich Hilfe brauche.

Jetzt? Beim Schieben hätte ich die Hilfe tatsächlich ganz nett gefunden. Ich lehnte ab. Schließlich hatte ich bis dahin alles alleine hinbekommen. Und woher sollte der Mann auch wissen, dass ich gerade vorher einen Corsa ohne Servolenkung von einer Kreuzung geschoben hatte?

Also machte ich allein weiter.

Und dann kam mein großer Physikmoment. Der Ruß musste aus dem Kopf. Anstatt ihn einfach auszuschütten, pustete ich kurzerhand in den Zylinderkopf.

Was ich dabei offenbar erfolgreich vergessen hatte: Luft, die irgendwo hineingepustet wird, muss auch wieder heraus. Und wenn sie nicht entweichen kann, kommt sie eben zurück.

Und sie brachte den Ruß gleich mit.

Ich sah danach entsprechend aus. 

Aber egal, ändern konnte ich das am Straßenradn nicht. Zylinderkopf wieder eingebaut, Auto gestartet – und dann ging es weiter zum Schrottplatz.

Dort fand ich übrigens noch etwas ziemlich Cooles heraus: Ich wurde als Handwerkerin völlig selbstverständlich ernst genommen. Kein skeptischer Blick, kein „Soll ich mal machen?“. Ich wusste, was ich brauchte, und bekam es.

Mit dem neuen Zylinderkopf hatte mein Corsa dann übrigens dieses Problem nicht mehr.

Und ich hatte zum ersten Mal die Erfahrung gemacht: Handwerker respektieren Handwerker.


 

Donnerstag, 13. August 2026

D & D - Dice Set und Buch

Mein Prinz ist begeistert von D & D (Dungeon & Dragon) - Rollenspiel. Er kniet sich da gerade richtig rein.

In Berlin hat sich mein Prinz ein dickes Buch gekauft. Dieses Buch schleppt er seitdem überall hin. Er liest permanent. Niemals hätte ich gedacht, dass es bei ihm einmal soweit kommt *lach*

In Mainz ist er mit seiner Schwester und seinem Cousin in einem Spielegeschäft der besonderen Art gefahren. Dort verkaufen sie Würfel-Sets. 3seitige bis 20seitige Würfel. Alle drei Kinder haben sich ein individuelles Set gekauft, dazu die passende Würfelmatte. Eines hübscher als das andere.






 

 

Sonntag, 9. August 2026

Sumo-Ringen

Wenn das Motto der Geburtstagsfeier Japan ist, muss ganz dringend Sumo-Ringen drin vorkommen.



Ich finde die Sumo-Ringer ja schwer beeindruckend. Alle sind auf eine ganz exakte Art und Weise gekleidet. Alle haben ihre Haare auf eine einzige Art und Weise hochgesteckt. Und alle sind ziemlich kräftig gebaut. "Dick sein" hat hier nämlich den riesigen Vorteil der Masse.

Aber ist Sumo eigentlich einfach nur ein Sport?

Ursprünglich war es ein religiöses Ritual des Shintoismus, um die Götter um eine gute Ernte zu bitten oder böse Geister abzuwehren.

Und obwohl es Sumo-Ringen bereits seit vielen Jahrhunderten gibt und es sich im Laufe der Zeit zum Kampfsport entwickelt hat, gehören bis heute religiöse Rituale dazu – zum Beispiel das Streuen von Salz zur Reinigung. Auch das Gewand des Ringrichters entspricht bis heute dem eines Shinto-Priesters. Und der Ring, der Dohyo, gilt als heiliger Boden.

In diesem Zusammenhang habe ich etwas Beeindruckendes herausbekommen: Die Haare zu dem typischen Haarknoten zu frisieren, ist eine traditionelle Pflicht. Damit wird die Zugehörigkeit zum traditionellen Sumo und auch zum aktuellen Rang des Kämpfers signalisiert.

Und am Ende der beruflichen Karriere als Sumo-Ringer wird der Zopf in einer feierlichen Zeremonie abgeschnitten.

 

OK – also Sumo-Ringen an einem Kindergeburtstag ist mir dann doch ein wenig zu „wild“.

ABER ich hatte eine Idee:

Wir werfen die Sumo-Ringer mit Bällen aus dem Ring.

(Für die schlauen Füchse: Dosenwerfen – mal anders. lach)

Als Dosen habe ich wieder die kleinen Pringles-Dosen aus dem Adventskalender genommen. Die sind schön stabil. Anschließend habe ich Papierstreifen als Banderole ausgeschnitten und bemalt.

Jeder Sumo-Ringer ist einzigartig. Zwei hat sogar mein Mainzelmann bemalt und den letzten Sumo-Ringer hat meine Prinzessin übernommen.

Auf die Rückseite habe ich „Sumo Cup 2026“ geschrieben.

Diese Dosen sollen nämlich nach dem Spiel ein weiteres Leben bekommen: als Goodie-Bag. Und wer will, kann die Dose auch als Souvenir aufstellen, Kleinigkeiten darin aufbewahren oder sie als Stiftsammler nutzen.

So kommt jede Dose auf vier Lebensaufgaben. Gar nicht mal schlecht.

Und weil ich viel zu wenig Zeitdruck bei der Geburtstagsvorbereitung hatte … Ironie off … habe ich nebenbei noch einen Stop-Motion-Film gedreht.


 

Freitag, 7. August 2026

Back then #21 - manche Erinnerungen bleiben

 Triggerwarnung: Dieser Beitrag thematisiert den Suizidversuch eines Kindes.

In den Sommerferien habe ich meine beste Freundin besucht. Sie ist die Freundin, mit der ich vor 45 Jahren eingeschult wurde.

Dabei fing unsere Freundschaft alles andere als harmonisch an. Wir saßen nebeneinander – natürlich in der letzten Reihe. Einmal gerieten wir sogar unter dem Tisch in einen heftigen Streit, weil jede von uns überzeugt war, dass der Radiergummi ihr gehörte. Irgendwann riss sie mir ein Büschel Haare aus und ich kratzte sie (oder war's umgekehrt?). Klingt nicht gerade nach dem Beginn einer lebenslangen Freundschaft.

Und doch wurden aus zwei streitenden Mädchen beste Freundinnen. Seit über 44 Jahren gehen wir gemeinsam durchs Leben.

Als wir in diesen Sommerferien bei ihr im Garten saßen und über unsere Grundschulzeit sprachen, fiel plötzlich der Name einer ehemaligen Klassenkameradin. Nennen wir sie hier einfach Anna.

Damals hat Anna versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie sprang von einer Brücke über die Autobahn. Der LKW-Fahrer konnte ausweichen, trotzdem wurde sie schwer verletzt. Sie kam nie wieder zurück an unsere Schule.

Damals waren wir Kinder. Viel erklärt wurde uns nicht. Wir bastelten eine Karte für sie, als sie im Krankenhaus war. Das war alles.

Diese Brücke gibt es heute noch.

Damals musste ich jeden Tag auf meinem Heimweg über sie laufen. Und auch heute fahre ich unter ihr hindurch oder über sie hinweg. Jedes Mal blitzt kurz Anna auf. Nicht lange, nur für einen Moment. Aber die Erinnerung ist bis heute geblieben.

Was mich bei dem Gespräch mit meiner Freundin so überrascht hat: Ihr geht es genauso. Auch sie denkt bis heute immer wieder an Anna und bekommt noch immer eine Gänsehaut, wenn sie an diesen Tag denkt.

Erst nach diesem Gespräch wurde mir überhaupt bewusst, dass ich diese Erinnerung seit über 40 Jahren mit mir herumtrage. Zum ersten Mal fragte ich mich ganz bewusst: Was ist eigentlich aus Anna geworden? Wie ist ihr Leben weitergegangen? Hat sie irgendwann ihr Glück gefunden? Und was muss ein Grundschulkind erlebt haben, um keinen anderen Ausweg mehr zu sehen?

Ich werde die Antworten vermutlich nie erfahren.

Aber dieses Gespräch hat mir gezeigt, wie tief sich manche Erlebnisse aus der Kindheit einprägen. Obwohl damals kaum darüber gesprochen wurde, begleiten sie uns ein Leben lang.

Manche Erinnerungen werden mit der Zeit leiser. Andere warten Jahrzehnte darauf, dass man ihnen endlich wieder begegnet.

Redet miteinander. Hört einander zu. Manchmal tragen Menschen Geschichten mit sich herum, von denen niemand etwas ahnt.



Donnerstag, 6. August 2026

Einladungskarten: Japan

Meine Tochter feiert ihren Geburtstag. Das Motto ist schon lange klar: JAPAN.

Natürlich brauchen wir dann auch japanische Einladungskarten. Mit Japan verbinde ich die Farben: rot, schwarz, weiß und gold.


In altbewährter Tradition sind diese wieder auf roter Pappe entstanden. Darauf ein passend zugeschnittetenes weißes Papier. Etwas schwieriger war der rote Kreis - Zirkel nicht greifbar, musste meine Kaffeetasse herhalten. Und dann der Tempel-Zuschnitt, wie man sieht, jeder etwas anders. Jeder für sich wunderschön. 

 

Mittwoch, 5. August 2026

Juli vorbei - Zeit für ein wenig Statistik

Das war ein Juli. Erst war es unfassbar heiß, dann wurde es nass. Tapfer wie ich bin, habe ich durchgezogen und bin jeden Tag mit Rad ins Büro gefahren. OK - ein paar Tage Homeoffice und ein wenig Urlaub haben dann meine "Kilometer-Leistung" ganz schön geschmälert. Ich möchte gern versuchen, auch wieder privat aufs Rad zu steigen. Ich liebe radeln, ich brauche das Radeln. Es macht den Kopf frei, es entspannt und ganz nebenbei ist es gut für das Herz-Kreislauf-System.

 

Was für eine Stimmung!

Noch steht der Raps

Dann schauen wir uns zuerst die Bilder von meinem Wegkreuz an:

 

 

 

Kommen wir nun zum Wesentlichen: 168,1 km bin ich letzten Monat dann doch geradelt. Das lag daran, dass ich ab und an einen kleinen Umweg zur Arbeit gefahren bin. Hin etwas mehr und zurück etwas mehr, dann sind es statt 15,5 km auch mal 22 km. Fällt von der Zeit kaum auf, tut mir aber wirklich gut.

 

  • Januar   124 km
  • Februar 231 km 
  • März     140 km
  • April     176 km 
  • Mai       225 km 
  • Juni       251 km 
  • Juli        168 km 
  • Aufstellung über die ganzen Jahre 

    • 2018:       233 km
    • 2019:           0 km
    • 2020:    1.424 km
    • 2021:    2.064 km
    • 2022:    3.137 km
    • 2023:    2.434 km
    • 2024:    2.145 km 
    • 2025:    1.976 km 
    • 2026:       995 km  - Nach 14.408 km war auf dem alten Rad Schluss
    • 2026 :      322 km (to be continued)

    Selbstverständlich bin ich auch weiterhin mit Buffy spazieren gegangen, war in den Mittagspausen unterwegs, auf Ausflügen, im Haus.... JEDER(!) Schritt zählt: 

  • Jan: 232.181 Schritte (7.490) 
  • Feb: 240.168 Schritte (8.577) 
  • Mrz: 278.590 Schriite (8.987)
  • Apr: 255.101 Schritte (8.503) 
  • Mai: 259.466 Schritte (8.495)
  • Juni: 240.193 Schritte (8.006)
  • Juli:  273.920 Schritte (8.771)

  • Samstag, 18. Juli 2026

    CSI – Die Spur verliert sich an der Haustür

    Es gibt Dinge im Leben, die verschwinden kurz. Eine Socke aus der Waschmaschine zum Beispiel. Ein Kugelschreiber. Haargummis. Diese Dinge verlassen für eine gewisse Zeit unsere Dimension und tauchen später wieder auf.

    Und dann gibt es Dinge, die verschwinden mit einer Entschlossenheit, die fast beleidigend wirkt.

    Zum Beispiel: mein Haustürschlüssel.

    Es begann vor ungefähr einem halben Jahr. Ich kam mit dem Fahrrad nach Hause. Alles war völlig normal. Ich hatte meinen Schlüssel definitiv noch dabei, denn ich schloss den Schuppen auf und stellte das Fahrrad hinein. Danach ging ich zur Haustür und betrat das Haus.

    Und dann ...

    Sendepause.

    Keine Erinnerung. Kein Bild. Keine Eingebung. Nichts.

    Der Schlüssel war einfach verschwunden.

    Natürlich begannen sofort die Ermittlungen.

    Wo waren wir unterwegs? Beim Gassi vielleicht? Ist er aus der Tasche gefallen? In welcher Jacke war ich unterwegs? Welche Hose hatte ich an? Alle Taschen wurden kontrolliert. Mehrfach. Schränke durchsucht. Handtaschen, Rucksäcke, Fahrradtaschen.

    Nichts.

    Der Schlüssel blieb verschwunden.

    An dieser Stelle entstanden selbstverständlich die üblichen Theorien:

    • Er liegt an einem Ort, an dem ich bereits fünfmal gesucht habe.

    • Er wurde von einem geheimnisvollen Haushaltswesen entführt.

    • Haushaltsgegenstände führen nachts ein geheimes Eigenleben.

    • Der Schlüssel befindet sich in einer Parallelwelt.

    • Vielleicht wurde er geklaut.

    • Vielleicht wollte er einfach ein neues Leben beginnen.

    Mit der Zeit wurde der Schlüssel zu einer Legende. Er gehörte gedanklich bereits zu denselben Mysterien wie der verlorene Wäschekorb.

    Dann kam das Wochenende.

    Mein Sohn sollte seine Mensakarte abgeben, weil der Caterer wechselt. Ich durfte sie aus seinem Portemonnaie nehmen. Das Portemonnaie steckte in seiner Bauchtasche.

    Ich öffne die Tasche.

    Hole die Karte heraus.

    Denke: "Ach, da ist auch ein bisschen Müll drin. Den räume ich eben weg."

    Und weil ich schon dabei war, schüttelte ich die Tasche einmal kräftig aus, damit auch die Krümel verschwinden.

    In diesem Moment fällt etwas in meine Hand.

    Mein Schlüssel.

    MEIN SCHLÜSSEL!

    Nach sechs Monaten.

    Sechs.

    Monaten.

    Ich möchte an dieser Stelle betonen: Wir reden nicht von einem riesigen Schlüsselbund mit zwanzig Anhängern, Karabinern und halbem Baumarkt daran. Es waren genau zwei Schlüssel – der Haustürschlüssel und der Schuppenschlüssel.

    Aber daran hing mein Schlüsselanhänger. Ein Flaschenöffner von meinem ersten Arbeitgeber. Den hätte ich wirklich nur ungern verloren.

    Während ich den Schlüssel anstarrte, setzte sich plötzlich ein Puzzle zusammen.

    Ich war an dem Abend noch mit meinem Sohn und Buffy Gassi gegangen. Ich hatte keine Tasche an der Hose, aber mein Sohn trug seine Bauchtasche.

    "Kannst du den Schlüssel mal einstecken?"

    Konnte er.

    Hat er.

    Als wir nach Hause kamen, hatte vermutlich mein Mainzelmann oder meine Prinzessin bereits die Haustür geöffnet. Niemand brauchte den Schlüssel mehr. Wir gingen hinein, der Alltag nahm seinen Lauf, irgendjemand erzählte etwas, Buffy wollte ihr Abendbrot– und die Erinnerung daran, dass der Schlüssel noch in der Bauchtasche steckte, verschwand einfach.

    Nicht der Schlüssel war weg.

    Nur das Wissen darüber.

    Sechs Monate lang lag er friedlich in einer Bauchtasche, wurde tagtäglich zur Schule gefahren und wieder zurück. Er wartete darauf, wiederentdeckt zu werden. Niemand hatte ihn geklaut. Niemand hatte ihn versteckt, auch kein Wurmloch. Er war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort – und wir hatten kollektiv vergessen, dass wir ihn dort selbst hingebracht hatten.

    Manchmal sind die größten Familiengeheimnisse eben gar keine Geheimnisse.

    Sie heißen einfach Alltag.