Dienstag, 1. September 2026

Rückblick auf den August

Kinders, das Jahr rast. Eben beenden wir bereits den August. Und ich kann sagen, der war verdammt warm - nein: heiß trifft es eher. Trocken und heiß, und dann wurde schlagartig Herbst mit Gewittern und Regen und nasskaltem Wetter.

 

Morgens war das Radeln inzwischen wieder richtig angenehm, sodass ich mehrfach nicht den direkten Weg zur Arbeit genommen habe, sondern einen kleinen Umweg gefahren bin. So habe ich in Drais, im sogenannten  Bergdorf, am höchsten Punkt ein Foto gemacht


 

Aber natürlich war auch wieder der Baum am Fußballstadion der eine oder andere STOP angesagt. Ich liebe diesen Spot, so als letzter Punkt bevor die "Zivilisation" wieder anfängt - eins mit der Natur und der Landwirtschaft, im Einklang mit dem Wetter und den Jahreszeiten.



 
Bevor ich nun endlich zu meiner Fahrradstatistik komme, möchte ich euch noch einmal teilhaben lassen an meinem morgendlichen STOP am Wegkreuz. Hier starte ich, hier halte ich kurz inne, sammel mich - und ganz ehrlich, egal ob Auto, Rad oder zu Fuß, wenn ich hier ankomme, weiß ich: Ich bin zu Hause.
 
 






















Das Getreidefeld ist abgeerntet und gepflückt. Alles bereits vorbereitet für den Herbst. Es wird auch wieder später hell und vor allen Dingen wieder früher dunkel. Endlich wieder Wolken! Endlich wieder Morgenrot! Endlich wieder Frühnebel! Ich bin glücklich.
 
Nun denn: Im August komme ich auf 321,1 km. Ich bin jetzt 643,2 km mit meinem neuen Rad on the road - lustigerweise stehen als Gesamtkilometer bereits 659 km auf meinem Tacho. 11 km muss ich abziehen, macht 648. Wo kommt die Differenz von knapp 5 km her? Insgesamt bin ich 1473 km in diesem Jahr geradelt. Aber eine Sache fällt mir noch immer schwer: Wenn ich hoch- oder runter schalten will, dann drehe ich meinen Schaltknauf immer erst einmal in die falsche Richtung. Das nervt mich und ich hoffe sehr, dass ich mich daran noch gewöhnen werde.
 
  • Januar   124 km
  • Februar 231 km 
  • März     140 km
  • April     176 km 
  • Mai       225 km 
  • Juni       251 km 
  • Juli        168 km 
  • August  321 km
  • Aufstellung über die ganzen Jahre 

    • 2018:       233 km
    • 2019:           0 km
    • 2020:    1.424 km
    • 2021:    2.064 km
    • 2022:    3.137 km
    • 2023:    2.434 km
    • 2024:    2.145 km 
    • 2025:    1.976 km 
    • 2026:       995 km  - Nach 14.408 km war auf dem alten Rad Schluss
    • 2026 :      643 km (to be continued)
    Natürlich bin ich auch im August zu Fuß gegangen. Im Urlaub, Gassi, Personalausflug, Geocaching - da komme ich auf 252.991 Schritte. Das entspricht 8.161 Schritten pro Tag. Übers Jahr komme ich bisher auf 2 Mio. 37 Tausend 71 Schritte (2.037.071), was einer traurigen Wahrheit von 8.349 Schritte am Tag entspricht.
     
  • Jan: 232.181 Schritte (7.490) 
  • Feb: 240.168 Schritte (8.577) 
  • Mrz: 278.590 Schriite (8.987)
  • Apr: 255.101 Schritte (8.503) 
  • Mai: 259.466 Schritte (8.495)
  • Juni: 240.193 Schritte (8.006)
  • Juli:  273.920 Schritte (8.771)
  • Aug: 252.991 Schritte (8.161) 
  •  

    Montag, 31. August 2026

    Morgenmuffel

    Ein wenig Tradition hat es ja schon: Morgens den Morgemuffel-Frühstücksteller herzurichten und abzulichten.

    Wieso mache ich das? Die Kids haben morgens einfach keinen Hunger. Sie müssen "zu früh" aufstsehen und dann gleich was essen. Die Zeit bis zur ersten großen Pause ist einfach zu lang. Und mal ehrlich, ich geb ihnen ja auch immer zu essen ist und das ist (meist) aufgegessen, also müsste ich ihnen sonst noch mehr mitgeben - das ist ein Platz- und Gewichtsproblem. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwer tagtäglich die Schulranzen sind. 9 kg ist da gar nichts. Wie war das noch einmal mit den 10% des Körpergewichts?

    Hier lasse ich euch nun die Morgenmuffel-Teller sehen - als Inspiration, wenn gar nichts gehen sollte. Umstellung auf gesund ist geplant bzw. ich versuch das immer mit einfließen zu lassen. Da aber meine Prinzessin auch noch sehr schnäbelig ist, ist das ein doppelschwieriges Unterfangen. Von daher gilt vorerst: rein damit - mit leeren Magen lernt es sich ganz einfach mies. Ach ja: und süß muss es derzeit sein.















     


    Freitag, 28. August 2026

    Back then #24 - dongdong

     


    Es gibt Menschen, die verbinden Ferien mit Strand, Hotel und Ausschlafen.

    Ich verbinde Ferien mit einem blauen M.A.N. und dem gleichmäßigen „Dongdong“ der Autobahn.

    Der Freund meiner Mama war Fernfahrer. Und irgendwann, ich war vermutlich acht oder neun Jahre alt, durfte ich ihn in den Sommerferien begleiten.

    Ich habe es geliebt.

    Tagelang auf dem Bock zu sitzen, aus dem Fenster zu schauen, Kassetten zu hören, zu lesen, zu schlafen. Entweder oben in der Koje oder einfach auf dem Beifahrersitz. Für mich war das Entspannung pur.

    Der LKW war ein ziemlich imposantes Gefährt. Blauer M.A.N., graue Plane, Anhänger. Das Fahrerhaus dagegen war erstaunlich unspektakulär. Eine Kühlbox, die über den Autostecker lief. Und ein winziger Schwarz-Weiß-Fernseher mit Antenne, den man während einer Pause anschließen konnte.

    Und jetzt kommt das Absurde: Diesen Fernseher hatten wir tatsächlich noch.

    Vor gerade einmal vier Wochen haben wir ihn zum Wertstoffhof gebracht.

    Jahrzehntelang hatte dieses winzige Schwarz-Weiß-Ding auf unserem Dachboden überlebt. Fernsehen konnte man damit schon damals nur mit viel gutem Willen. Das Bild war klein, schwarz-weiß und die Antenne musste irgendwie so stehen, dass man überhaupt etwas erkennen konnte.

    Die Koje war dagegen ein Traum.

    Ich durfte oben schlafen. Dafür musste ich richtig hineinklettern und über das Sicherheitsnetz steigen. Mein Schlafsack lag dort schon bereit und dann ließ ich mich von den Bodenwellen der Autobahn sanft in den Schlaf schaukeln.

    Und wenn ich wieder wach wurde, zog ich den Vorhang ein kleines Stück auf und beobachtete die Welt.

    Autos. Landschaft. Häuser. LKW. Lichter bei Nacht.

    Alles zog an mir vorbei.

    Mein Ziehpapa hatte damals natürlich kein Navi. Brauchte er auch nicht. Der kannte die Strecken einfach auswendig. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals irgendwo eine Landkarte aufgeschlagen hätte. Selbst in den Städten, in denen wir zum Abladen mussten, wusste er offenbar einfach immer, wo er hinmusste.

    Wir hörten Kassetten. Am Anfang auf jeden Fall Benjamin Blümchen. Später vielleicht Die drei ??? oder TKKG – ganz sicher weiß ich das nicht mehr.

    Ich habe damals unfassbar viel gelesen. Eigentlich alles, was mir in die Finger kam.

    Und manchmal gab es dafür unterwegs sogar Nachschub.

    In Pfungstadt haben wir Zeitschriften geladen und nach Berlin gebracht. Also bekam ich regelmäßig die neueste Bravo und Mädchen. Dazu Donald Duck und Yps. Bücher hatte ich natürlich auch dabei. Wenn wir wieder zu Hause waren, wurden manchmal nur die Klamotten gewechselt, neue Bücher ausgesucht – und dann ging es auch schon wieder los.

    Mit meinem Ziehpapa habe ich natürlich auch geredet. Aber wir haben mindestens genauso oft einfach geschwiegen. Nicht dieses unangenehme Schweigen, bei dem beide krampfhaft überlegen, was sie sagen könnten. Einfach nur schweigen.

    Weil es für uns beide genauso gut gepasst hat.

    Und dann gab es noch die Sache mit der Grenze.

    Wir starteten in West-Berlin, oft ging es Richtung Freiburg oder Teningen. Und bevor das eigentliche Abenteuer begann, kam erst einmal die Grenzkontrolle.

    Die Personalausweise wurden eingesammelt und verschwanden auf kilometerlangen Förderbändern bis zur nächsten Kontrollstation. Wir fuhren ein Stück vor. Warteten. Fuhren wieder ein Stück vor. Warteten wieder.

    Und ich wartete mit.

    Denn ich hatte einen anderen Nachnamen als mein Ziehpapa.

    Meine Aufgabe war deshalb im Zweifelsfall ziemlich eindeutig: behaupten, dass er mein Vater sei.

    Das war vermutlich eher eine Sorge meiner Mama als meine eigene. Denn tatsächlich hat uns deswegen nie jemand angesprochen.

    Trotzdem war ich jedes Mal ein kleines bisschen nervös.

    Vor allem, weil ein LKW nicht einfach durchgewunken wurde.

    Ladezettel wurden kontrolliert. Die Verplombung wurde überprüft. Die Verschnürung der Plane wurde kontrolliert. Ein Spiegel wurde unter den LKW geschoben. Ins Fahrerhaus wurde geschaut.

    Wenn wir Pech hatten, wurde sogar die Koje kontrolliert und in den Klamotten herumgewühlt.

    Ich habe auch einmal erlebt, dass ein Hund kam und alles abschnüffelte.

    Und natürlich kletterte jemand mit einer Leiter hoch, um sich Dach und Plane anzusehen.

    Irgendwann waren wir dann tatsächlich durch.

    Und dann begann die Reise.

    Damals waren die Autobahnen teilweise aus Betonplatten zusammengesetzt, die einfach hintereinander lagen wie riesige Spielzeugplatten.

    Und diese Platten machten:

    Dongdong.

    Dongdong.

    Dongdong.

    Keine Ahnung, wie viele Kilometer ich so verbracht habe.

    Es war jedenfalls das perfekte Einschlafgeräusch.

    Dazu das gleichmäßige Brummen des Motors, die Landschaft vor dem Fenster und irgendwann wurden die Augen schwer.

    Und wenn wir nicht gerade unterwegs waren, übernachteten wir häufig einfach im LKW.

    Ich liebte das.

    Ich fand es allerdings ziemlich doof, wenn mein Ziehpapa nachts schlafen machen musste, die Geräusche auf dem Rastplatz möchte ich nicht. Auserdem musste ich mit meiner Waschtasche über den ganzen Parkplatz laufen. In der Waschtasche waren Zahnbürste und Zahnpasta. Das war's.

    Kein Waschen an öffentlichen Toiletten - Duschen oder Baden konnte ich schließlich zu Hause.

    Nur in Teningen war das anders. Dort gab es einen weiteren Stützpunkt mit zwei Hochbetten und einem Duschraum.

    Duschen!

    Fast Luxus.

    Allerdings nur, solange kein anderer Fernfahrer dort übernachtete.

    Dann war es megapeinlich.

    Und dann kam der November 1989.

    Ich war 14, als die Mauer fiel.

    Die Fahrten hörten deshalb natürlich nicht auf. Ich fuhr weiterhin mit, nur etwas hatte sich verändert: Die Grenzkontrolle, die bis dahin zu jeder Fahrt dazugehört hatte, fiel weg.

    Die Autobahn blieb.

    Die Koje blieb.

    Die Kassetten blieben.

    Und natürlich das Dongdong.

    Offenbar ist mir etwas von diesen Fahrten geblieben.

    Denn ich liebe Autobahnfahrten bis heute.

    Ich kann dabei perfekt entspannen.

    Vielleicht liegt es an diesem gleichmäßigen Fahren. An der Landschaft, die am Fenster vorbeizieht. Daran, dass man einfach nur sitzt und unterwegs ist. Übrigens bis heute mit Hörspiel oder Hörbuch.

    Oder vielleicht liegt es auch daran, dass irgendwo tief in meinem Kopf noch immer ein blauer M.A.N. fährt.

    Mit einer grauen Plane, einer viel zu kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher-Antenne, Benjamin Blümchen auf Kassette und einem Kind im Schlafsack in der Koje.

    Und irgendwo darunter:

    Dongdong.

    Dongdong.

    Dongdong.

    Und dann sind die Augen zu.

     

    P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.  

    Montag, 24. August 2026

    Pflaster auf den Mental Load - Danke für nichts

    Hut ging mir ja bei der Werbung die Hutschnur hoch. 

    Ich bin am Handy und bekomme plötzlich Werbung von einer Apotheke eingeblendet. Das allein ist schon nervig, aber muss ich wohl hinnehmen.

    Es wird eine Frau eingeblendet mit dem Text "Frauen haben eh an so viel zu denken" und auf der nächsten Seite kommt dann "Die XXX Apotheke hilft ihr dabei". Tja und diese Hilfe sieht einfach nur vor, dass Rezepte online eingelöst werden können.

    Man könnte auch "nen Schwamm drüberlegen", aber genau an der Stelle werde ich absolut getriggert.

    Wieso muss das so sein? Warum sollen immer Frauen den kompletten Mental Load tragen? An alles denken? Alles organisieren?

    Hier wird Mental-Load-Washing betrieben. Der Kern des Problems wird verdreht. Es gibt keine Entlastung, lediglich eine weitere Möglichkeit zur Organisation. Hier wird das Rollenklischee einfach verstärkt, anstatt dass das Grundproblem angegangen wird. Das ist weiterhin Sexismus in der Werbung.

    Erst wird angedeutet, dass man das Problem erkannt und vielleicht sogar anerkannt hat, aber anstatt die Belastungen des Mental Load aufzubrechen und gerecht zu verteilen wird "ein Pflaster" drauf geklebt. Frei nach dem Motto: Du musst das alles alleine schaffen, aber mit unserer App glänzt du dabei. 

    Mental Load bedeutet schließlich nicht einfach, dass eine Frau eine lange To-do-Liste hat. Es bedeutet auch, dass sie überhaupt diejenige ist, die im Kopf behalten muss, dass etwas getan werden muss.

    Wer braucht wann ein Rezept? Welches Medikament ist leer? Wann muss es bestellt werden? Für wen? Wann muss es abgeholt werden?

    Und genau da liegt für mich der Denkfehler dieser Werbung.

    Die App nimmt mir vielleicht einen Arbeitsschritt ab. Aber sie nimmt mir nicht die Verantwortung ab, daran zu denken.

    Das Problem wird also nicht gelöst. Es wird optimiert.

    Und vielleicht ist genau das der Punkt, der mich so sauer macht: Es wird ein echtes gesellschaftliches Problem erkannt – nur um anschließend eine Lösung anzubieten, die das bestehende Rollenbild überhaupt nicht infrage stellt.

    Nicht: „Warum muss eigentlich immer sie daran denken?“

    Sondern: „Wie können wir ihr helfen, noch effizienter daran zu denken?“

     


    Was für eine Hilfe! Das macht mich richtig sauer. 

     

    P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.  

    Freitag, 21. August 2026

    Back then #23 - Boot tut gut

     


    Manchmal reicht eine kleine Erinnerung, um mich mitten in meine Jugend zurückzukatapultieren.

    „Eskimos.“

    Heute würde man selbstverständlich Inuit sagen. Damals, zu meiner Schulzeit, hieß das Thema tatsächlich noch so.

    Ich sollte ein Referat erstellen. Ich bin mir bis heute nicht ganz sicher, ob ich es tatsächlich vortragen musste oder ob ich es einfach nur schriftlich abgeben sollte. Was ich aber noch ziemlich genau weiß: Ich habe mich richtig hineingekniet.

    Und wenn ich heute darüber nachdenke, war ich damals ungefähr in dem Alter, in dem meine eigenen Kinder heute sind.

    Das macht die Geschichte irgendwie noch verrückter.

    Meine Kinder wachsen mit Internet, Smartphones, Suchmaschinen und KI auf. Für sie ist es völlig normal, Informationen innerhalb von Sekunden zu finden, Bilder aus dem Internet zu holen und einen Text am Computer zu erstellen.

    Ich saß damals im gleichen Alter mit Büchern aus der Schule und der Bücherei da.

    Mein Bruder hatte damals gerade seinen ersten PC angeschleppt. Kein Windows, wie wir es heute kennen, kein Word, kein Internet und schon gar kein automatisches Speichern. Irgendwas mit „Win“ war da, dazu ein simples Schreibprogramm – und ein Nadeldrucker, der beim Drucken das ganze Haus akustisch darüber informierte, dass er gerade eine Seite produzierte.

    Und natürlich dieser Monitor. Ein richtig schwerer Klotz. Tief, klobig und wahrscheinlich gefühlt halb so groß wie der heutige Schreibtisch. Den stellte man nicht mal eben um. Wenn der einmal an seinem Platz stand, dann blieb der da.

    Zusammen war das eine beeindruckende technische Anlage. Heute steht das bereits in einem Museum.

    Damals war das unser Computer.

    Internet? Fehlanzeige.

    Also habe ich Bücher gewälzt, gelesen, Informationen herausgesucht, formuliert und umformuliert. Meine Mama musste natürlich auch mit ran und bekam den einen oder anderen Textabschnitt zur Kontrolle vorgelegt.

    Irgendwann war das Referat tatsächlich fertig.

    Gefühlt mitten in der Nacht. Wahrscheinlich war es „nur“ irgendwann nach 21 Uhr.

    Jetzt musste das Referat nur noch gedruckt werden.

    Ratter-ratter-ratter-ratter.

    Eine Seite.

    Zwei Seiten.

    Drei Seiten.

    Und dann …

    nichts.

    Der Drucker stand still.

    Der PC reagierte nicht mehr.

    Die Maus bewegte sich nicht.

    Alles abgestürzt.

    Ich war am Verzweifeln.

    Mein Bruder kam dazu und begann, herumzudoktern. Ich weiß noch genau, wie ich vermutlich immer wieder sagte, dass ich doch nur noch drucken müsse.

    Und dann kam sein Satz: „Boot tut gut.“

    Ich glaube, mir ist in diesem Moment alles aus dem Gesicht gefallen.

    Neustart?!

    Ich hatte das Referat kein einziges Mal gespeichert. Mein erster Versuch eine Hausaufgabe am PC zu erstellen.

    Kein automatisches Zwischenspeichern. Keine Cloud. Kein „Wiederherstellen“. Kein „Möchtest du die zuletzt bearbeitete Version öffnen?“.

    Nichts.

    Das komplette Referat existierte nur in dieser einen eingefrorenen Version.

    Wir haben den Neustart ungefähr eine Stunde lang erfolgreich verweigert. Vielleicht ließ sich der Rechner ja doch noch irgendwie retten.

    Ließ er sich nicht.

    Also blieb irgendwann nur noch:

    Neustart.

    Und zwar nicht nur für den Computer.

    Auch für mich.

    Ich durfte noch einmal anfangen.

    Glücklicherweise habe ich ein verdammt gutes Gedächtnis. Und glücklicherweise hatte mich das Thema tatsächlich interessiert. Durch das viele Lesen und Umschreiben hatte ich mich lange mit dem Inhalt beschäftigt. Außerdem hatte ich ein paar Stichpunkte auf Papier.

    Also setzte ich mich wieder hin.

    Und schrieb. Nach einem Misserfolg habe ich immer noch mein Motto im Kopf: Das übt."

    UND eine äußerst wichtige Erkenntnis:

    Speichern ist dein Freund.

    Ich perfektionierte in dieser Nacht das Zwischenspeichern.

    Schreiben.

    Speichern.

    Ein bisschen weiterschreiben.

    Speichern.

    Noch ein Absatz.

    Speichern.

    Ganz wichtig: Speichern vorm Drucken.

    Irgendwann war das Referat wieder fertig. An einigen Stellen habe ich noch Bilder hineingezeichnet, denn mal eben etwas aus dem Internet herunterladen war genauso wenig möglich wie heute eine KI zu bitten, mir passende Illustrationen zu erstellen.

    Kurz nach Mitternacht konnte ich endlich ins Bett.

    Und am nächsten Morgen ging es zur Schule.

    Ich weiß noch, wie unglaublich müde ich war.

    Heute sehe ich meine Kinder an und denke manchmal: Ihr seid jetzt ungefähr so alt wie ich damals.

    Und dann stelle ich mir vor, ich würde ihnen heute eine Schulaufgabe geben und sagen:

    „Hier ist das Thema. Internet gibt es nicht. Sucht euch Bücher. Schreibt alles selbst. Bilder müsst ihr gegebenenfalls selbst malen. Und wenn der Computer abstürzt, ist eure komplette Arbeit weg.“

    Ich glaube, sie würden mich für verrückt erklären.

    Dabei war das für mich damals Schule. Und manchmal war die Schule echt hart.

    Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen damals und heute: Wir hatten nicht annähernd die technischen Möglichkeiten, die unsere Kinder heute haben. Dafür mussten wir uns anders behelfen. Wir mussten uns Dinge merken, Informationen wirklich lesen und Texte selbst formulieren.

    Und wenn die Technik versagte, musste eben das Gedächtnis ran.

    Bei mir hat es glücklicherweise funktioniert.

    Und eine Sache habe ich aus dieser Nacht für den Rest meines Lebens gelernt:

    Speichern ist dein Freund.

    Ich speichere lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Manchmal sogar mehrere Versionen.

    Denn irgendwo tief in meinem Hinterkopf sitzt noch immer mein Bruder und sagt:

    „Boot tut gut.“

    Und ich höre eine junge Zottellotte (ne,.... die gab es damals ja auch noch nicht!) panisch denken:

    „NEIN! VERDAMMT! ICH MUSS DOCH NUR NOCH DRUCKEN!“


    Ich bilde mir bis heute ein, dass ich damals ziemlich viel über die Inuit gelernt habe.

    Schließlich habe ich das Referat zweimal geschrieben.

    Das muss ja wohl für irgendetwas gut gewesen sein. 😄

     

    P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.  

    Donnerstag, 20. August 2026

    Manga-Lesezeichen

    Bei dem Motto japanischer Geburtstag muss natürlich auch der Kranich aus Origami gefaltet werden. Hierfür habe ich entsprechendes Papier besorgt und auch schon zwei Kraniche gefaltet. Gar nicht so einfach. Und genau aus diesem Grund habe ich mir einen Plan B überlegt. Wenn der Kranich sich weigert, am Ende soll kein Kind traurig sein.

    Lesezeichen gehen ja immer. Rote, gelbe und grüne Pappe habe ich in passende Streifen geschnitten. Die konnten dann direkt bemalt werden. Oder auch auf weißes Papier und dann bekleben. Aber eigentlich dachte ich mir, den Bereich Manga muss ich auch noch einbauen. Hierfür habe ich online Comic-Seiten ausgedruckt. Lieblingsmotiv aussuchen, ausschneiden, aufkleben und gern auch an-/ausmalen.


     Das waren meine Vorschläge oder die Inspiration, die ich gegeben habe. 

    Am Geburtstag selbst habe ich leider vollkommen vergessen von den fertigen Lesenzeichen der Kinder Bilder zu machen. Es gab wunderschön gezeichnete Augen, selbstgezeichneten Dazai, ein Bandlogo und immerhin zwei Lesenzeichen in Manga-Style.

    Mittwoch, 19. August 2026

    Reise nach Berlin: Schlosspark Sommerswalde

    Schloss Sommerswalde

    Es sollte in den Dinopark Germendorf gehen. Mit Hund - und das obwohl man dort durch ein Freigehege mit läuft. Einmal haben wir das schon mit Buffy gemacht (klick) und sie hat das richtig toll hinbekommen. Die Kids haben die Rehe gestreichelt und ich stand mit 4m Abstand daneben - und nein, kein Gebell oder Gezerre an der Leine. Ein Tagesausflug sollte es werden. In der Masse war auch der Überlebensrucksack gepackt.

     

    Wir fahren also zum Dinopark. Eine sehr lange Schlange am Kassenhäuschen und der Parkplatz wirklich sehr sehr voll. So richtig Bock hatte plötzlich keiner auf Menschenmassen - kurzerhand bin ich am Dinopark vorbeigefahren. Habe an einer der nächsten Möglichkeiten gehalten und wollte schauen, wo man denn in der Nähe spazieren gehen kann.

    Die alte Orangerie

    Da stehen wir doch quasi direkt am Schlosspark Sommerswalde. Mittendrin liegt das Schloss Sommerswalde und drumherum führt ein Weg - und was für ein Zufall: ein Adventure Lab kann dort auch gespielt werden. 

     

    Der Schlosspark ist wirklich schön angelegt, es gibt einiges zu entdecken. Und obwohl das Schloss sowohl als Meditationszentrum als auch als Café genutzt wird, gab es noch einige Ecken, der sehr Lost Place gewirkt haben.

    Das Forsthaus

    Im Zuge des Bloggen habe ich mich natürlich für die Geschichte interessiert. Bereits 1891 wurde das Schloss fertig gestellt, recht bald kam es zu umfangreichen Umbaumaßnahmen (hier kann ich die Bildergalerie dringend empfehlen). 

     

    Im Krieg wurde dann das Schloss als russische Kommandantur genutzt. In der Zeit danach wurde es zu Pionierleiterschule für die FDJ. Die FDJ war die Freie Deutsche Jugend in der DDR, um die junge Menschen im Sinne des Sozialismus und des Marxismus-Leninismus erziehen. 

     

    Nach der Wende bis 2006 gab es immer wieder Leerstand und kurzfristige Nutzungen. 

    Das rote Rathaus

    Danach wurde es zum Kadampa Meditationszentrum Deutschland. In diesem Zusammenhang erfolgen umfangreiche Sanierungsarbeiten, für die es den brandenburgischen Denkmalpflegepreis erhalten hat.

     

    Heute steht der Park allen Interessierten offen, die Ruhe suchen oder etwas über Buddhismus erfahren wollen. Wir selbst hatten leider Pech gehabt, denn das Café war (noch) geschlossen. Auf der anderen Seite: Wir hatten als Selbstversorger genügend Proviant eingesteckt.


    erbaut für RS (Leutnant a. D. Friedrich August Richard Sommer)