Als ich mit meinem ersten Freund zusammengezogen bin, hatten wir beide ein Pflegepferd im gleichen Stall.
Die Besitzerin hatte am Neujahrstag Geburtstag. Ich glaube, es war sogar ihr 30. Geburtstag. Und weil man einen Geburtstag schließlich gebührend feiern muss, wurde kurzerhand im Stall gefeiert.
Wobei „im Stall“ eigentlich etwas großzügig formuliert ist.
Es war ein Offenstall. Keine gemütliche Sattelkammer, kein Aufenthaltsraum, kein beheiztes Stübchen. In der kleinen Hütte stand eigentlich nur Putzzeug.
Aber wir hatten zwei Lagerfeuer.
Über dem einen hing ein großer Topf mit Kesselgulasch. Und ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir draußen in der Kälte saßen oder ob dieses Gulasch tatsächlich einfach göttlich war – aber noch nie habe ich so etwas Tolles gegessen.
Über dem zweiten Feuer hing ein Topf mit Glühwein.
Tetra Pak. Natürlich. Aber der wurde ordentlich aufgemotzt: Anissterne rein, Zimtstangen dazu – fertig war die Stall-Glühwein-Spezialmischung.
Und es war arschkalt.
Wie immer waren wir mit dem Fahrrad gekommen. Was sonst?
Drei Kilometer. Eben. Übers Feld. Kein Problem.
Es lag sogar Schnee.
Im Rhein-Main-Gebiet!
Heute würde man wahrscheinlich erstmal überlegen, ob man bei solchen Bedingungen überhaupt das Haus verlassen sollte. Wir sind einfach mit dem Fahrrad zum Pferdestall gefahren.
Wir haben gegessen, getrunken, gequatscht.
Schön nah ans Feuer. Von vorne wurde man herrlich warm. Hinten wurde es dafür immer kälter.
Also noch ein Glühwein.
Insgesamt gingen sechs Tetra-Pak Glühwein drauf. Allerdings waren wir nur sechs oder sieben Leute.
Irgendwann, gegen 16 oder 17 Uhr, kam dann der Moment, an dem wir beschlossen: Wir fahren nach Hause.
Mit dem Fahrrad.
Übers Feld.
Durch den Schnee.
Und natürlich gab es keine plattgetretene Spur. Keine Fahrradspur. Nichts.
Ich weiß noch genau, wie ich mich abgemüht habe.
Mein Freund war kalt, ich war zu langsam, und er hat mich irgendwann komplett abgehängt.
Ich dagegen kämpfte.
Ich fluchte.
Ich verfluchte den Schnee.
Ich fror.
Ich schwitzte.
Ich strampelte.
Wie ich überhaupt zu Hause angekommen bin, weiß ich nicht mehr.
Dass ich das Fahrrad noch in den Keller gestellt habe, halte ich für möglich. Beweise gibt es dafür allerdings keine.
Was ich sicher weiß: Ich bin direkt ins Bett.
Eingemummelt bis über beide Ohren.
Und am nächsten Morgen ging es wieder in den Stall.
Kein krank.
Kein Kater.
Nichts.
Offenbar war man Anfang 20 noch aus anderem Material gebaut.
Oder sechs Tetra Pak Glühwein waren damals einfach das beste Frostschutzmittel überhaupt.
P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.

































