Damals, so um 2008 oder 2009, hatte ich mein Fahrrad mit zur Arbeit genommen. Im Zug, versteht sich. Nach Feierabend sollte es dann mit eigener Muskelkraft von Darmstadt nach Mainz gehen.
Ich hatte mir damals vorgenommen, möglichst oft unterschiedliche Wege zu fahren. Nicht immer die gleiche Strecke, sondern mal hier lang, mal dort lang. Die Idee war großartig. In der Realität habe ich das allerdings deutlich seltener gemacht, als ich es mir vorgenommen hatte.
An diesem Tag kam ich zur Fähre in Kornsand.
Während ich auf die Fähre wartete, stand ich mit einer größeren Gruppe Radfahrer zusammen. Alle bereits im Ruhestand – aber durchaus sportlich unterwegs. Also so richtig sportlich, wie sich später noch herausstellen sollte.
Die Fähre kam, wir schoben unsere Fahrräder an Bord und dann sprach mich der Gruppenleiter an.
Er hatte für mich gleich mit gelöst.
Wow!
Das fand ich klasse. Damals kostete die Überfahrt mit Fahrrad, soweit ich mich erinnere, gerade einmal zwei Euro. Heute sind es fünf. Vielleicht hatte der Gruppenleiter auch einfach eine Gruppenpauschale ausgehandelt oder er war spendabel. Ich fand die Geste richtig nett.
Während der kurzen Überfahrt unterhielten wir uns ein bisschen. Und siehe da: Die Gruppe wollte ebenfalls nach Mainz.
Allerdings nicht einfach am Rhein entlang.
Sie hatten den Plan einmal hoch in die Weinberge und anschließend über die Ortschaften nach Mainz.
Die Strecke kannte ich noch nicht. Also wollte ich mich einfach anschließen.
Die Fähre legte an, wir schoben unsere Räder von Bord und dann ging es los.
Und meine Güte, hatte diese Gruppe ein Tempo drauf!
Zuerst schossen sie durch die Straßen. Und dann kam der Weinberg.
Zack.
Hoch.
Während ich bereits ordentlich am Pumpen war, fuhr die Gruppe weiter, als wäre das die normalste Sache der Welt. Und sie unterhielten sich dabei auch noch.
Vielleicht haben sie irgendwann nicht mehr ganz so viel geredet. Aber sie fuhren jedenfalls noch nebeneinander.
Ich hingegen wurde ziemlich schnell vom vorderen Drittel der Gruppe nach hinten durchgereicht.
Und dann war ich abgeschlagen.
Einfach weg.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich nicht einmal richtig verabschieden konnte. Irgendwann waren die anderen einfach zu weit weg.
Jetzt hätte ich natürlich versuchen können, hinterherzuhecheln.
Aber warum eigentlich?
Mein Körper sagte mir ziemlich deutlich, dass dieses Tempo gerade nicht meines war. Also habe ich nicht versucht, mich auf Biegen und Brechen an die Gruppe heranzuarbeiten.
Ich habe auf mich gehört.
Auf halber Höhe fuhr ich dann durch die Weinberge – parallel zur B9 und zum Rhein.
Und plötzlich war das gar nicht mehr schlimm. Im Gegenteil.
Es war eine wunderschöne Strecke. Ich fuhr in meinem eigenen Tempo, musste niemandem hinterher und konnte die Landschaft einfach in vollen Zügen genießen.
Denn lieber bestimme ich selbst, wie schnell ich fahre und welchen Weg ich nehme, als mich vollkommen zu überfordern, nur um mit anderen mithalten zu können.
Die Gruppe habe ich übrigens nie wieder gesehen.
P.S. Das passende Bild zum Beitrag habe ich mit KI Gemini erstellt.





















