Beim Kauf von manchen Dingen läßt man sich Zeit. Man überdenkt, man wiegt ab, man wartet, man geht jahrelang mit der Idee schwanger. Dann kauft man einfach. Und irgendwann merkt man: Es ging längst nicht mehr nur um den Gegenstand.
Im September 2018 zog ein Fischer E-Bike (ETD 1861) bei mir ein. 500-Watt-Akku, Bafang-Motor und 75 Newtonmeter Antrittskraft. Damals war es einfach ein Fahrrad. Ein Hilfsmittel. Eine Erleichterung. Der Einstieg in die E-Bikemobilität.
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| So wurde mein e-Bike geliefert |
Heute, im Juni 2026, endet unsere gemeinsame Saison nach 14.400 Kilometern.
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| Jetzt wird alles verschraubt |
Und irgendwie fühlt sich das seltsam an.
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| Bereit für die Probefahrt |
Mein Fahrrad hatte nie einen Namen. Vielleicht brauchte es auch keinen. Es war einfach immer da.
Damals wohnte ich noch anders, 2019 kam der Umzug. Wer Mainz kennt, weiß: Berge können unangenehm sein. Vor allem, wenn man vorher mit einem Bio-Bike unterwegs war. Der Draiser Berg hatte es in sich. Danach brauchte ich erst einmal Zeit zum Ausschwitzen, anschließend duschen und umziehen – locker eine Stunde war weg.
Eine Stunde.
Als Mama von zwei Kindern zwischen Arbeit und Alltag ist eine Stunde einfach nicht vorhanden.
Auch der Berg nach Mainz-Finthen gehört nicht gerade zu den Strecken, die man locker pfeifend wegfährt.
Und dann passierte etwas herrlich Ironisches: Ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Umzug verschwand mein Ladekabel.
Ein Jahr lang suchte ich danach.
Ein Jahr lang hoffte ich, dass es doch noch irgendwo auftaucht.
Irgendwann kaufte ich ein neues.
Zum Glück.
Denn kurz darauf kam Corona.
Und plötzlich wurde dieses Fahrrad vom praktischen Helfer zum echten Gamechanger.
Bus? Straßenbahn? Auto?
Plötzlich konnte ich all das ignorieren.
Stattdessen fuhr ich Fahrrad.
Und zwar dauerhaft.
Sommer wie Winter.
Sonne, Wind, Regen oder Schnee.
Es gab keine Ausrede. Irgendwann suchte ich nicht einmal mehr danach.
Jeder Morgen auf dem Weg zur Arbeit wurde zu einem kleinen Stück Freiheit. Diese paar Minuten zwischen Zuhause und Büro waren manchmal die ruhigsten Minuten des ganzen Tages.
Und die Rückwege mit meiner Lieblingskollegin gehören definitiv zu den Erinnerungen, die bleiben.
Natürlich war das E-Bike nicht nur Arbeitstier.
Es wurde Freizeitbegleiter.
Vor allem fürs Geocaching.
Es brachte mich an Orte, die ich sonst wahrscheinlich nie entdeckt hätte. Kleine Wege, versteckte Ecken, neue Strecken.
Familienausflüge gab es tatsächlich genau einen. Ab und zu war ich mit einem der Kinder unterwegs, manchmal auch mit Fahrradanhänger, wenn sie die knapp zwei Kilometer nicht mehr laufen wollten.
Berge und Kinder gleichzeitig auf dem Fahrrad – diese Kombination hat hier allerdings nie wirklich Freundschaft geschlossen.
Natürlich war unsere gemeinsame Zeit nicht komplett störungsfrei.
Da war diese Sache mit der Kette.
Sie fiel immer wieder herunter.
Nach mehreren Einsätzen mit schmutzigen Händen gehörten irgendwann Einmalhandschuhe zur Standardausrüstung im Werkzeugset.
Dann verlor ich einmal den Geschwindigkeitssensor.
Das Problem: Ohne Sensor schaltet der Motor ab.
Und plötzlich fährt man kein E-Bike mehr.
Plötzlich fährt man ein ungefähr 25 Kilogramm schweres Fahrrad.
Bergab war das noch akzeptabel.
Bergauf eher weniger.
Zum Glück hatte ein Fahrradladen in der Stadt tatsächlich Ersatz.
Auch das Rücklicht entwickelte gewisse Eigenarten. Zweimal musste ich mich wieder um Licht im Dunkeln kümmern. Einmal half die Werkstatt.
Aber Ende Herbst Richtung Winter war das Rücklicht schon wieder tot.
Meine Lösung?
Buffys Leuchthalsband.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Am nächsten Tag griff ein Kollege zum Lötkolben – und danach war tatsächlich Ruhe.
Überhaupt war Sichtbarkeit immer ein Thema:
Rücklicht, Frontlicht, Katzenaugen, reflektierende Reifenränder, Speichenreflektoren.
Dazu Helm mit Licht, reflektierender Rucksack und reflektierende Kleidung.
Und trotzdem hatte ich im Oktober 2022 einen Unfall.
Eine Autofahrerin übersah mich.
Sie kam aus einer Seitenstraße, hielt an, schaute, schaute noch einmal – und dennoch verschwand ich für einen Moment ungünstig hinter der B-Säule und später hinter der A-Säule.
Als sie losfuhr, war ich genau vor ihr.
Ich konnte nur noch den Fuß hochreißen.
Dann lag ich am Boden.
Blaue Flecken. Prellungen.
Ein kaputtes Fahrrad.
Und trotzdem bleibt am Ende ein Gedanke:
Glück im Unglück.
Nun geht die gemeinsame Zeit langsam zu Ende.
Die Kette schaltet nicht mehr richtig. Manche Gänge wollen nicht mehr. Andere wechseln ungefragt. Es klappert. Der Akku merkt inzwischen ebenfalls, dass acht Jahre nicht spurlos vorbeigehen.
Und trotzdem fällt mir der Abschied schwer.
14.400 Kilometer sind eben nicht einfach nur eine Zahl.
Es sind Morgen im Sonnenaufgang.
Regenfahrten.
Schneeflocken.
Geocaching-Abenteuer.
Arbeitstage.
Umwege.
Alltag.
Freiheit.
Vielleicht war es nur ein Fahrrad.Vielleicht aber auch viel mehr.

















































