1998 hatte ich einen A Corsa. Weiß. Gekauft für 600 DM.
Und obwohl er schon damals nicht mehr ganz taufrisch war, hat er fleißig seinen Dienst getan: Jede Woche München – Berlin und wieder zurück.
Bergab und mit Heimweh schaffte er sogar 130 km/h. 😎
Allerdings forderten die vielen Kilometer ihren Tribut. Der Zylinderkopf verrußte immer mal wieder. Und wenn er zu sehr verrußt war, wollte der Motor einfach nicht mehr anspringen.
Also hieß es: aussteigen.
Zylinderkopf ausbauen, Kontakte freikratzen, alles wieder zusammenbauen – und weiterfahren.
Irgendwann wurde das allerdings so häufig, dass ich beschloss, einen neuen Zylinderkopf zu besorgen. Auf dem Schrottplatz hatte ich auch tatsächlich einen gefunden.
Als ich ihn abholen wollte, passierte natürlich genau das, was man sich in so einer Situation wünscht:
Der Motor ging mitten auf einer großen Kreuzung beim Linksabbiegen aus.
Mega peinlich.
Also aussteigen und den Corsa von der Kreuzung schieben.
Und so durfte ich gleichzeitig ein Auto schieben und versuchen, das Lenkrad in die richtige Richtung zu bekommen. Mit ausgeschaltetem Motor und ohne Servolenkung. Was ich vielleicht erwähnen sollte: Der Corsa hatte natürlich noch keine Servolenkung.
Aber der kleine Kerl wog ja nicht besonders viel, und irgendwie bekam ich ihn an den Straßenrand.
Dort baute ich wieder den Zylinderkopf aus und kratzte die Kontakte frei.
Als es nur noch um den Einbau ging, kam jemand und fragte mich, ob ich Hilfe brauche.
Jetzt? Beim Schieben hätte ich die Hilfe tatsächlich ganz nett gefunden. Ich lehnte ab. Schließlich hatte ich bis dahin alles alleine hinbekommen. Und woher sollte der Mann auch wissen, dass ich gerade vorher einen Corsa ohne Servolenkung von einer Kreuzung geschoben hatte?
Also machte ich allein weiter.
Und dann kam mein großer Physikmoment. Der Ruß musste aus dem Kopf. Anstatt ihn einfach auszuschütten, pustete ich kurzerhand in den Zylinderkopf.
Was ich dabei offenbar erfolgreich vergessen hatte: Luft, die irgendwo hineingepustet wird, muss auch wieder heraus. Und wenn sie nicht entweichen kann, kommt sie eben zurück.
Und sie brachte den Ruß gleich mit.
Ich sah danach entsprechend aus.
Aber egal, ändern konnte ich das am Straßenradn nicht. Zylinderkopf wieder eingebaut, Auto gestartet – und dann ging es weiter zum Schrottplatz.
Dort fand ich übrigens noch etwas ziemlich Cooles heraus: Ich wurde als Handwerkerin völlig selbstverständlich ernst genommen. Kein skeptischer Blick, kein „Soll ich mal machen?“. Ich wusste, was ich brauchte, und bekam es.
Mit dem neuen Zylinderkopf hatte mein Corsa dann übrigens dieses Problem nicht mehr.
Und ich hatte zum ersten Mal die Erfahrung gemacht: Handwerker respektieren Handwerker.

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