Mit 18 habe ich mir mein erstes Motorrad gekauft: eine vollverkleidete Suzuki GS500E in Lila. Für mich damals natürlich das coolste Motorrad der Welt.
Bei einer meiner ersten Touren stehe ich an einer Ampel und warte auf Grün. Neben mir rollt ein anderer Motorradfahrer heran. Wir schauen uns kurz an, nicken uns zum Gruß.
Und dann diese völlig stille Kommunikation:
Blick.
Nicken.
"Wir fahren jetzt natürlich los wie bei einem MotoGP-Start."
Kein Wort gesagt. Trotzdem war alles klar.
Das Problem: Ich kannte mein Motorrad kaum. Schleifpunkt? Eher ein grobes Gerücht. Aber ich war 18. Das ersetzt bekanntlich Erfahrung durch Mut.
Die Ampel springt auf Gelb.
Gleich geht's los.
Neben mir lässt der andere schon mal den Motor aufheulen.
Das habe ich mir verkniffen. Zu laut. Außerdem wollte ich cool wirken.
Grün.
Ich drehe am Gashahn.
Ich lasse die Kupplung kommen.
Neben mir: Staubwolke.
Unter mir: absolute Hölle.
Meine Suzuki brüllt mir in voller Lautstärke entgegen:
„DU IDIOT! Den hätten wir gekriegt! Aber Madame musste ja im Leerlauf Vollgas geben, statt einen Gang einzulegen!“
Zum Glück hat unter dem Helm niemand meine Schamesröte gesehen.
Danach habe ich mich nie wieder provozieren lassen.
Zumindest nicht beim Motorradfahren.

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