Freitag, 19. Juni 2026

Back then #16 - der Elektrozaun


Wir haben mit einer befreundeten Familie gemeinsam Urlaub in Dänemark verbracht.

Einer dieser Urlaube, bei denen man am ersten Tag voller Tatendrang loszieht, um die Gegend zu erkunden. Aus dem geplanten kleinen Spaziergang wurde allerdings schnell eine mittelschwere Expedition. Keiner kannte sich aus, alle waren neugierig – und so wurde der Weg lang und länger.

Anfangs fiel das niemandem auf. Später schon.

Irgendwann war die Luft komplett raus. Jeder wollte eigentlich nur noch zurück zum Ferienhaus. Die Erwachsenen sehnten sich nach kalten Getränken und hochgelegten Beinen, wir Kinder wollten einfach nur spielen.

Und dann sahen wir sie: die vermeintliche Rettung. Eine Kuhweide, die sich perfekt als Abkürzung anbot. Von Kühen war weit und breit keine Spur.

Blieb vor dem Grenzübertritt nur noch eine essenzielle Frage: Ist auf dem Elektrozaun Strom?

Was folgte, war eine hochwissenschaftliche Sicherheitsprüfung in drei Akten:

Akt 1: Der Alibi-Test mit einem feuchten Grashalm. Ergebnis: nichts.
Akt 2: Der mutige Test mit der flachen Hand direkt am Draht. Ergebnis: ebenfalls nichts.
Akt 3: Die logische Schlussfolgerung: Der Zaun ist offensichtlich außer Betrieb.

Damit war die Sache beschlossen. Einer nach dem anderen kletterte hinüber. Wir berührten alle den Zaun beim Drüberklettern. Kein Problem.

Als dann aber die letzte im Bunde das Bein über den Zaun hob, beschloss das dänische Weidezaungerät offenbar, seine Arbeit wieder aufzunehmen.

Ein lautes Quietschen. Ein Satz nach vorne. Und die schlagartige Erkenntnis, dass unsere empirische Testreihe doch noch Schwächen hatte.

Der Rückweg zum Ferienhaus wurde zwar deutlich kürzer, dafür gab es aber einen beeindruckenden blauen Fleck an der Oberschenkelinnenseite als Andenken – und eine Geschichte, die bis heute immer wieder für Lacher sorgt.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen