Freitag, 13. März 2026

Back then... Powertrail ohne Power

Back then... Powertrail ohne Power

Powertrail ohne Power - unter Hochspannung

Manche Freundschaften wachsen nicht auseinander.
Sie wachsen mit.

Meine beste Freundin aus der Grundschule ist die Frau, mit der man Pferde stehlen kann.
Die, die all meine Phasen kennt.
Die meine verrückten Ideen nicht bewertet, sondern einfach mitgeht.

Ich frage nur:
„Willst du morgen mit mir 10 Kilometer wandern und dabei 40 Geocaches suchen?“

Und sie fragt nicht:
„Was ist eigentlich ein Geocache?“
Oder: „Wo genau willst du hin?“

Sie lächelt und sagt nur:
„Wann geht’s los?“

Am nächsten Morgen, Sonntag um 8 Uhr, geht’s los.

Wir parken das Auto am Umspannwerk in Bärenklau.
Ab hier nur noch wir, der Weg und 40 kleine Schätze.

Wir wandern, wir quatschen, wir halten die Augen fest auf dem Boden – und auf dem Handy.
Geocache nach Geocache.
Es macht einfach nur unendlich viel Spaß.

Dann dieser Blick auf die Akkuanzeige.
Viel zu klein - diese Zahl. Viel zu schnell weniger.
Wir sind erst bei Geocache 30.

Wir kürzen ab zu 31.
32 finden wir auch noch.
Dann: schwarz.
Akku leer. Nichts geht mehr.

Also erst mal Pause.
Ich habe Nudelsalat vom Vortag dabei.
Meine Freundin feiert mich ein bisschen dafür – „die gute Mama“, bestens vorbereitet.
Wir lachen. Noch ist alles gut.

Aber satt sein ersetzt keine Orientierung.

Durch dieses ständige „Geleitet werden“ haben wir beide nicht aufgepasst.
Und plötzlich stehen wir da – dezent orientierungslos.

Wir laufen über die Wiese weiter.
Und finden die Hochspannungsleitung.
Ein Ankerpunkt.
 
Rechts oder links?

Meine Freundin sagt rechts.
In meinem Kopf höre ich meine Mama:
„Bleib auf dem rechten Weg, mein Kind.“

Und trotzdem sagt mein Bauch: links.

Ich setze mich durch.

Und während über uns die Hochspannungsleitung summte, 
standen wir mit 0 % Akku darunter. 
Mehr Energie ging kaum – 
nur eben nicht in unserem Handy.

Der Boden wird sandig.
Jeder Schritt schwerer.
Die Sonne brennt. Kein Schatten.
Innerlich beginne ich zu zweifeln.
Was, wenn wir gerade in die komplett falsche Richtung laufen?
Was, wenn wir alles zurück gehen müssen?

Und dann – ganz plötzlich – sehe ich es.

Unser Auto.

Ich schwöre, den Stein, der mir in diesem Moment vom Herzen gefallen ist, hat man bis nach Berlin gehört.

Vielleicht musste an diesem Tag erst ein Akku leergehen, 
denn keine zwei Monate später,
haben wir diesen Powertrail gemeinsam mit meiner Mama beendet.
Und meine Freundin war da längst selbst Geocacherin.
 


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