Pendeln zwischen Berlin und München. 600 Kilometer bis zum Feierabend. Eine volle Arbeitswoche im Körper. Nur noch nach Hause. Berlin.
Das muss 1998 gewesen sein. Vielleicht auch 1999. Irgendwo da, am Ende des Jahrhunderts.
Autobahn. Blick geradeaus. Zu stumpf geradeaus. Die Müdigkeit ist nicht mehr einfach Müdigkeit. Sie ist schwer, dicht, sie zieht die Aufmerksamkeit nach unten. Ich merke, dass ich eigentlich schon über der Grenze bin – aber ich fahre weiter. Muss weiter. Bis zum nächsten Parkplatz.
An der Tankstelle halte ich an. Zwei Red Bull. Der Geschmack ist schlecht, die Wirkung fraglich. Der Feierabend ruft. Weiter geht es trotzdem.
Fenster runter (Kurbeln), Musik lauter drehen, Radio, Sender nachjustieren. Mitsingen gegen das Wegdriften. Alles wird eng: Fokus nur noch auf den nächsten Abschnitt.
Blaues Schild: Parkplatz in 5 Kilometern. Nur noch 5 Kilometer. Durchhalten. Nur noch das im Kopf. Fahren. Abfahren. Anhalten.
Ich schaffe es gerade so.
Parkplatz. Motor aus. Sitzlehne zurück. Augen zu – und sofort weg.
Ich weiß nicht, wie lange ich dort liege. Eindeutig zu kurz. Ein Klopfen an der Scheibe weckt mich hart und viel zu früh.
Ein junger Typ, großer Rucksack, eindeutig unterwegs. Tramper. Will nach Berlin.
Ich lasse ihn einsteigen. Ein paar Sätze nur – woher, wohin, nichts Großes. Er wirkt genauso durch wie ich. Kaum fährt das Auto wieder, schläft er einfach ein. Keine Unterhaltung, keine Ablenkung, kein Mitsingen mehr.
Er schläft, ich fahre – und irgendwo dazwischen bleibt dieses klare Wissen: Das war nicht mehr okay.
Pausen sind wichtig. Mehr als ich damals wahrhaben wollte. Ich bin trotzdem weitergefahren.

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