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| "Von der Pumpe, die nicht mehr hat Qietschen wollen" |
Irgendwann gegen Ende meiner Grundschulzeit — irgendwo zwischen Tafelschwammgeruch, Kassettenrekorder und den Achtzigern — führten wir in der Schule „Es war der Oberhofmarschall“ auf. Das Gedicht hatten wir vorher im Unterricht behandelt. Wahrscheinlich war längst geplant gewesen, dass daraus eine kleine Aufführung werden sollte.
Jedenfalls bekam jedes Kind eine halbe Strophe oder ein paar Zeilen. Natürlich gab es auch einen König. Einen Oberhofmarschall. Und die berühmte Pumpe.
Ich war damals sehr schüchtern. Mein eigener Satz kam mir außerdem ziemlich kurz und wenig spektakulär vor. Dabei war ich eigentlich gut in solchen Dingen. Gedichte lernen fiel mir leicht und ich war zuverlässig textsicher. Trotzdem nahm ich einfach hin, dass andere die größeren Rollen bekamen. Vermutlich war alles möglichst gerecht verteilt worden. Trotzdem dachte ich wohl still für mich: Mehr traut man mir offenbar nicht zu.
Richtig aufregend wurde es erst, als wir Kostüme brauchten.
An die Kleidung erinnere ich mich kaum noch. Aber unsere Perücken habe ich bis heute vor Augen. Wir bastelten höfische Lockenperücken aus Badekappen und Krepppapier. Das Papier wurde zusammengerollt und irgendwie an der Badekappe befestigt — geklebt, genäht oder verzweifelt festgefummelt. So genau weiß ich das nicht mehr.
Meine Perücke sah jedenfalls eher ordentlich als prachtvoll aus. Alle Locken gleich, gleich kurz und sauber neben- und untereinander. Andere hatten richtige lange Krepppapierlocken gebastelt, die viel eindrucksvoller wirkten. Damals hatte mich die kreative Muse offenbar noch nicht geküsst.
Und dann kam der Auftritt.
Ich war unfassbar nervös.
Mein Herz schlug so laut, dass ich sicher war, jeder in der Aula müsste es hören können. Während ich innerlich fast starb, wirkten die anderen Kinder erstaunlich cool und entspannt.
Wir standen in einer Reihe auf der Bühne. Nur König, Oberhofmarschall und Pumpe durften sich frei bewegen. Der Rest sagte der Reihe nach seine Zeilen auf — laut und deutlich, ganz ohne Mikrofon. Den Refrain sprachen wir immer gemeinsam im Chor.
Die drei Hauptrollen spielten großartig. Das Publikum lachte an den richtigen Stellen. Alles funktionierte.
Und obwohl ich nur einen kleinen Teil gehabt hatte, war ich am Ende stolz wie Oskar.
Ich weiß noch genau, wie sich dieser Moment angefühlt hat:
Das Herzrasen vorher. Und dieses unglaubliche Gefühl danach, es trotzdem geschafft zu haben.
Vielleicht war das meine erste kleine Lektion darin, dass Können allein nicht immer sichtbar wird. Manchmal muss man sagen, dass man etwas möchte. Auch wenn das Herz rast.
Damals wusste ich das noch nicht. Auch heute fällt mir genau das schwer - aber ich arbeite dran.
Trotz der gelben Perücke.

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