Back then ... Regeln leben, bevor das Gesetz kommt
Wir schreiben das Jahr 1998.
Handys waren selten. Teuer. Und ungefähr so handlich wie ein Ziegelstein.
Ich besaß einen grünen Motorola-Totschläger mit Antenne und Powerakku.
Gesprächsdauer: maximal 30 Minuten.
Kosten: 19 Pfennig pro Minute.
Ich fühlte mich wie eine Businessfrau auf Welttournee.
Langstrecke: München nach Berlin.
Weißer A-Corsa.
Bergab, mit Heimweh und Rückenwind: 120 km/h.
Autoradio noch mit manueller Sendersuche – also telefonierte ich.
Während der Fahrt.
Damals war das noch nicht ausdrücklich verboten.
Nur… sagen wir: gewagt.
Aus drei Spuren werden plötzlich vier.
Ich sehe mein kleines Auto schon zerdrückt wie eine Coladose.
Das Handy rutscht aus meiner Schulter-Ohr-Klemmtechnik.
Und dann – Schutzengel im Überstundenmodus.
Der schnelle Flitzer zieht ganz weit nach links.
Der LKW merkt, dass er nicht komplett rüberkann und bleibt weitesgehend rechts.
Ich lebe. Das Auto heil. Handy am Boden.
Nächster Parkplatz.
Motor aus.
Tief durchatmen.
Freund anrufen. Dieses Mal im Stehen.
Seit diesem Tag blieb das Handy beim Fahren in der Tasche.
Mein Schutzengel hatte genug Überstunden.
Als das Telefonieren am Steuer endlich verboten wurde, fand ich das richtig gut.
Hätten wir vielleicht schon früher drauf kommen können.
Manche Regeln retten Leben.

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