Freitag, 23. Oktober 2026

Back then #32 - Doppelparker, doppelt gesichert

Wir hatten passend zur Wohnung für unser Auto einen festen Parkplatz. Unten im Doppelparker.

Als wir 2014 ein neues Auto brauchten, war eine der wichtigsten Fragen tatsächlich nicht PS, Kofferraumvolumen oder Farbe, sondern: Passt das Auto in den Doppelparker?

Die Autos werden schließlich immer größer, breiter und - in unserem Fall leider - auch höher. Die Auswahl an Fahrzeugen, die auf unseren unteren Parkplatz passten, war klein. Am Ende blieb genau ein Auto übrig, das von der Höhe her passte.

Na gut. Dann wurde es eben dieses. 

Die ersten Male war es Überwindung nach unten in die Dunkelheit zu fahren. Das Metall war jedesmal laut. Über die einzelnen Stange fahren, rechtzeitig bremsen - auch wenn vorn Stopper lagen. Nach kurzer Zeit hatte das Parken ein erprobtes System. Nach unten in Dunkelheit, halten, Handbremse anziehen, Gang rein, aussteigen. Dann konnte die Rampe bewegt werden und der Nachbar sein Auto oben draufstellen.

Bis zu diesem einen Abend.

Ich kam mit beiden Kindern nach Hause, parkte erst vor dem Doppelparker, lud Auto und Kinder aus und fuhr das Auto anschließend auf die Rampe. Sachen schnappen, alles nach oben – wie immer.

Dann stellte ich fest, dass ich meine Handtasche vergessen hatte.

Also fix zurück ins Auto, Tasche schnappen und rauf. Der Einkauf wollte schließlich verstaut werden.

Und möglicherweise habe ich dabei mit dem Träger der Tasche den Gang rausgezogen.

Möglicherweise.

Wir gingen in die Wohnung und fingen gerade an zu Abend zu essen, als es klingelte.

Der Nachbar.

Er würde jetzt gerne sein Auto parken.

Ich dachte noch: Ja … und? Wieso erzählst du mir das?

Bis der nächste Satz kam.

Er hatte die Rampe gekippt, um sein Auto hineinfahren zu können. Und irgendwann hörte er nur noch ein lautes Geräusch - Metall trifft Beton.

Unser Auto war rückwärts gerollt und gegen die Wand gestoßen.

Er hat den Vorgang sofort gestoppt.

Nun stand das Auto allerdings so ungünstig, dass die Rampe weder weiter bewegt werden konnte, ohne noch mehr kaputtzumachen, noch kam ich irgendwie vernünftig an das Auto.

Aber ich musste ja zum Auto, damit die Rampe wieder bewegt werden kann.

Über die zweite Rampe kam ich nicht ins Auto.

Vom oberen Parkplatz hinten herunterzuspringen war ebenfalls keine Option.

Blieb nur der schmale Spalt. Der Spalt zwischen der oberen Ebene und dem darunterliegendem schwarzen Loch, wo irgendwo mein Auto stand und mit der Wand kuschelte.

Also legte ich mich flach auf den Garagenboden und schob mich mit den Füßen voran durch diese Lücke.

Zuerst blieb mein Bauch hängen. Kurz den Speck zurechtgerutscht und weiter. Dann war die nächste Engstelle dran. Ich kam mir langsam vor wie ein zu groß geratener Mensch im falschen Kletterparcours.

Und genau da setzte mein Kopfkino ein.

Was, wenn sich jetzt die Rampe bewegt?

In meinem Kopf sah ich mich schon zwischen den Metallteilen liegen und einfach zweigeteilt werden.

Völlig unrealistisch. Aber das wusste meine Panik in diesem Moment nicht.

Je weiter ich mich durch den Spalt schob, desto stärker wurde dieses Gefühl: Bloß nicht bewegen. Bloß nicht die Rampe bewegen. Hoffentlich bleibt das Ding genau so stehen.


Dann hatte ich es geschafft und stand auf der fast vollständig heruntergelassenen, schrägen Rampe.

Fester Boden. Erst da konnte ich wieder halbwegs durchatmen.

Jetzt musste ich nur ins Auto. Aufgeschlossen, eingestiegen und ein Stück nach vorne gefahren.

Dann hat der Nachbar die Rampe wieder nach oben bewegt und wir konnten uns den Schaden ansehen.

Das metallische Kreischen hatte sich zum Glück deutlich schlimmer angehört, als es tatsächlich war.

Die Stoßstange war zerkratzt und ein bisschen eingebeult. Das war's. Nichts weiter kaputt.

Nun ja. Unser Auto war beim Parken eigentlich immer doppelt gesichert: Handbremse und Gang. Wenn der Gang raus war, hätte die Handbremse das Auto trotzdem halten müssen.

Ob ich sie an diesem Abend nicht fest genug angezogen hatte? Oder ob bei der Inspektion vielleicht doch etwas nicht ganz so gründlich kontrolliert worden war? Vielleicht war sie auch so straff eingestellt worden, dass ich sie gar nicht mehr richtig fest bekam.

Das Autohaus hatte später übrigens noch ganz eigene Erklärung für die ganze Angelegenheit. Die Handbremse sei bei der Inspektion kurz vorher schließlich völlig in Ordnung gewesen. 

Aha. 

Ich weiß es bis heute nicht.

Was ich weiß: Die Stoßstange war zerkratzt, ein bisschen eingebeult und die Vollkaskoversicherung durfte zeigen, wofür sie da ist.

Und ich hatte gelernt, dass „Handbremse und Gang“ bei einem Doppelparker offenbar keine doppelte Sicherheit sein müssen.

Und das Auto? Das fahren wir übrigens immer noch. 

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