Nach der Schule gab es diesen einen Abschnitt, der eigentlich nie einen Namen hatte und trotzdem immer gleich war.
Nicht mehr Schule. Noch nicht Zuhause.
Dazwischen lag der Weg.
Ich bin oft mit meiner Freundin zusammen ein Stück gelaufen (oder gefahren). Ihre Bushaltestelle lag ungefähr in der Mitte meines Heimwegs. Genau dieser Bereich, in dem der Tag noch offen war und alles passieren konnte.
Und dann kam diese Ecke.
Dort stand sie: die gelbe Telefonzelle.
Schon das Reinkommen war ein kleines Ereignis. Die Tür ging nie einfach auf. Als Kind musste man sich richtig dagegenstemmen. Drinnen war es eng. Zwei Kinder, zwei Scout-Rucksäcke und gefühlt kein Platz mehr zum Atmen.
Im Sommer war es darin wie in einer Sauna, wenn die Sonne genau draufknallte. Und dazu dieser Geruch – kalter Rauch, Plastik und irgendetwas Metallisches. Nicht besonders angenehm. Aber für uns war das einfach normal.
Meine Freundin hatte ihren Brustbeutel dabei. Monatsfahrkarte, Schlüssel und diese wichtigen 20 Pfennig. Genau geplant für einen Anruf.
Dann kam der entscheidende Moment.
Erst die Münze. Kurz zwischen den Fingern festhalten, einwerfen und hoffen, dass sie sauber durchrutscht. Dieses leise Klacken im Inneren war fast eine Erleichterung. Erst dann konnte es weitergehen.
Dann wurde gewählt. Ziffer für Ziffer. Auswendig. Konzentriert.
Und dann dieses Warten.
Wenn ihre Mama direkt ranging, war alles einfach:
„Darf ich nach der Schule zu ihr zum Lernen gehen?“
Wobei „zusammen lernen“ ein sehr großzügiger Begriff war. Eher die offizielle Bezeichnung für unseren Nachmittagsplan.
Und wenn niemand ranging, waren wir erstaunlich lösungsorientiert:
„Ihre Mama hat bestimmt ja gesagt.“
Ganz so wild, wie es heute klingt, war es aber vermutlich gar nicht. Wenn wir bei mir zuhause angekommen sind und meine Mutter nicht da war, haben wir ihr Bescheid gesagt, dass meine Freundin mitkommt. Und ich vermute, sie hat später wiederum ihre Mama informiert. Irgendwie lief das alles im Hintergrund mit. Ohne große Organisation, aber auch nicht ganz ohne Erwachsene.
Dann ging es an die Hausaufgaben. Im Rekordtempo. Nicht aus Fleiß – sondern weil wir genau wussten, was danach kam:
Der Spielplatz direkt vor der Tür.
Und später habe ich sie wieder zur Bushaltestelle begleitet. Wir warteten gemeinsam auf den Bus, redeten noch ein bisschen und winkten uns zum Abschied.
Kein Handy. Kein „Wo bist du gerade?“. Kein Standort.
Nur Wege, Absprachen und dieses selbstverständliche Gefühl, dass alles irgendwie funktioniert.
Damals hat ein einziger Anruf gereicht, damit ein ganzer Nachmittag entstehen konnte. Heute braucht man dafür einen Gruppenchat, einen Kalender und mindestens drei Erinnerungen.

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