Back then … Helm ist was für Anfänger
Endlich hatte ich genug Geld zusammengespart, um mit meiner Freundin eine Stunde auszureiten.
Wir fuhren bis Staaken, die letzten Kilometer liefen wir – voller Vorfreude und jugendlicher Unverwundbarkeit.
Am Stall bekamen wir zwei völlig unbekannte Pferde.
Wir stiegen auf. Ohne Helm. Natürlich ohne Helm.
Keiner fragte nach, keiner achtete drauf.
Ehemaliger Grenzstreifen. Weicher sandiger Boden.
„Perfekt für Galopp“, dachten wir.
Vollgas.
Kurve.
Meine Freundin heizt weiter.
Ich hinterher.
Zack - mein Pferd biegt ohne mich ab.
Plötzlich sitze ich hinter dem Pferd. Auf dem Boden.
Die Luft bleibt weg. Komplett.
Einmal vorsichtig Luft holen, es kommt kaum etwas an.
Beim zweiten Atemzug sortiere ich meine Knochen.
Beim dritten stehe ich.
Fünf Zentimeter hinter mir: ein Baum.
Helm wäre vielleicht doch keine so blöde Idee gewesen.
Meine Freundin prescht weiter.
Sie denkt offenbar, ich versuche sie zu überholen – und treibt ihr Pferd noch mehr an.
Irgendwann merkt sie: Ich fehle.
Wie ein echtes Cowgirl fängt sie mein Pferd ein und kommt zurück.
Während ich ihr längst hinterherlaufe.
Zwei Spaziergänger haben alles gesehen.
„Geht es Ihnen gut?“
Kurz standen mir die Tränen in den Augen.
Aber ein echtes Reitermädchen kenn keinen Schmerz.
Uungeschriebenes Gesetz.
Dann kam mein Pferd.
Ich stieg wieder auf.
Als wäre nichts gewesen.
Heute trage ich Helm.
Motorradhelm. Fahrradhelm.
Nur keinen Reiterhelm mehr –
aber nur, weil ich nicht mehr reite.
Manche Lektionen lernt man erst, wenn die Luft kurz weg ist.

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